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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Kultur

Ein mehr oder weniger hoch entwickeltes Kulturleben in Kriegsgefangenen- oder Internierungslagern ist an sich nichts Ungewöhnliches. Dass es die Gefangenen des Lagers „Île Longue“, vor allem Deutsche, Österreicher und Ungarn, jedoch geschafft haben, aus dieser abgelegenen Insel einen Ort zu machen, an dem sich große deutsche Kultur entfalten konnte, ist ganz außerordentlich. Tatsächlich zeichnet sich das Lager „Île Longue“ dadurch aus, dass sich dort praktisch alles findet, was Kultur ausmacht: ein Theater auf hohem Niveau, eine echte, gut ausgestattete Bibliothek, Schulen und Stätten beruflicher Ausbildung, Kurse und Vorlesungen in vielen verschiedenen Fächern, ein vielgestaltiges Musikleben, wissenschaftliche und philosophische Zirkel, mehrere Handwerkstätten, Sportvereine, eine Druckerei, Handelsbetriebe ...

Vor allem drei Faktoren haben diesen außerordentlichen Kulturaufschwung ermöglicht, und zwar:

1. Das gutwillige und tolerante Verhalten der französischen Behörden

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs und bis zur Unterzeichnung der Genfer Konventionen im Jahre 1949 gab es keinerlei internationale Abkommen zum Schutz der Zivilbevölkerung im Kriegsfall.

Mehr dazu:

Ohne den Zwang internationaler Abkommen und angesichts der hasserfüllten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich kann man sich fragen, warum die französischen Stellen den Internierten von „Île Longue“ so viele Freiheiten und Kontaktmöglichkeiten nach außen (Familien, Hilfsorganisationen ...) zugestanden haben, wodurch es diesen erst möglich wurde, ihre zahlreichen kulturellen Interessen zu entfalten.

Ist der Grund dafür die „internationale Kontrolle“ (Besuche von Delegationen neutraler Staaten, Androhung evt. Vergeltungsmaßnahmen durch feindliche Staaten, die in ihren Lagern französische Internierte gefangen hielten?), von der Jean-Claude Farcy in seinem oben genannten Werk spricht? Tatsache ist: es kommt das Prinzip der Gegenseitigkeit zur Anwendung, nach dem die Franzosen die deutschen Internierten so behandeln wie die Deutschen die französischen Internierten.

2. Die soziale Zusammensetzung der Lagerbevölkerung

Eine der Besonderheiten des Lagers „Île Longue“ - und eine wesentliche Voraussetzung für das Entstehen einer Lagerkultur - ist die soziale Zusammensetzung der Gefangenen. Ohne die Anwesenheit von Künstlern, Fachleuten aller Disziplinen, von Wissenschaftlern, Lehrern, qualifizierten Handwerkern oder Sportlern wäre das Lager ein unfruchtbarer Ort geblieben. Außerdem befanden sich unter den Passagieren der „Nieuw Amsterdam“, die interniert wurden, zahlreiche Vertreter des deutschen, österreichischen oder ungarischen Bildungsbürgertums, darunter wohlhabende, die es vor ihrer Internierung gewohnt waren, alle möglichen Kulturveranstaltungen zu besuchen: Theater, Konzerte, Opern, Vorträge, Ausstellungen und Bibliotheken.

3. Die deutschsprachige Lagerzeitung

„Die Insel-Woche geht in ihrer Bedeutung weit über die einer normalen Zeitung hinaus. Nicht zuletzt der „Insel-Woche“ ist es ihr zu verdanken, dass ein abgelegenes Internierungslager zu einem Ort großer Kulturblüte wurde. In zahlreichen Artikeln über die künstlerischen, wissenschaftlichen, handwerklichen oder auch sportlichen Leistungen sorgt sie dafür, dass das Kulturleben öffentlich wird und fordert die Internierten dadurch unermüdlich auf, sich daran zu beteiligen.

Zum (sehr lesenswerten) Artikel „Lagerkultur“ von Friedrich Hommel, in: „Die Insel-Woche“, II/1/12, S. 3.