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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Der Bericht von Theodor Hommes
On-line gesetzt am 27. Dezember 2013
zuletzt geändert am 10. Januar 2016

von Gérard

Theodor Hommes, Lehrer in Hermelingen (Lothringen), am 18. August 1914 verhaftet, war in den Lagern Issoire, Collioures, Aurillac und schließlich, vom 4. September bis 31. Dezember 1916, auf Ile Longue interniert.

Hermelingen (Hermelange auf Französisch) ist ein Dorf in der Nähe von Sarrebourg. Es wurde im Jahr 1871 deutsch und 1919 wieder französisch.

Hier ein Auszug aus seinem Bericht „34 Monate als Geisel in Frankreich und in der Schweiz“.

"Von Lyon brachte man uns am 2. September nach Brest. Auf Ile-Longue lebten etwa 2 000 Zivilgefangene. Alle Stände waren vetreten. 25 lebende Sprachen wurden in jenem Lager gesprochen. Etwa 60 Türken waren dort. Auch viele Griechen hatten die „Völkerbefreier“ aus Athen und Saloniki herbeigeschleppt. Sie waren „bochophilverdächtig“. Verschleppte aus Elsass-Lothringen, aus Kamerun und Togo und Seeleute bildeten eine grosse Zahl der Anwesenden. Am 16. September 14 fassten die Engländer in der Höhe von Cherbourg im Kanal den holländischen Dampfer „Neu Amsterdam“ ab. 700 Deutsche, die aus Amerika auf der Reise nach Deutschland waren, gerieten so in Gefangenschaft. Auch die Schiffskapelle der „Vaterland“ befand sich darunter. Dieser ganze Transport kam nach Île Longue. 60 Baracken waren gewöhnlich belegt (zu meiner Zeit mit je 35 Mann). Ausser diesen waren noch etwa 30 Baracken da, die als Küchen, Waschräume, und dergl. verwendet wurden. Jede Baracke ist etwa 24 m lang, 6 m breit und 4 m hoch. In der Breitseite befindet sich je eine Tür. Ein direkt auf der feuchten Erde liegender Dielenboden von etwa 1 m Breite führt durch die Barackenmitte als Gang von einer Tür zur andern. Zu beiden Seiten liegt dann ein Bretterboden in etwa 50 cm Abstand vom Erdboden. Zementiert waren diese Räume nicht. Feuchte, muffige Luft erfüllte stets die Hütten trotzdem jede etwa 10 luckenartige Fenster in etwa 40 cm Höhe und 80 cm Länge aufwies. Im Winter, besonders 1916/17, war es bitter kalt; denn nur ein kleiner Ofen steht in jeder Baracke. Jeder Gefangene erhielt nur eine Decke mit einem Strohsack. Wer keine eigenen Decken hat, fror feste unter dem schlechten gelieferten Lappen, denn das Klima war recht nass und kalt. Essen gab es zu wenig. Das Brot war oft schlecht, da es auf dem Transport mit Seewasser durchrängt wurde. Hunger ist das Hauptübel der armen Gefangenen, die mittellos sind. Besonders hungerten die Türken, die ich oft auf dem Kehrrichthaufen nach Abfällen suchen sah. Das Trinkwasser war wenig wert.

Das ganze Lager ist mit einem starken Drahtverhau umgeben. Innerhalb desselben kann man sich beliebig bewegen. Für jüngere Leute war das Leben auf dieser Insel nicht so langweillig; denn Vorträge, Unterrichtkurse und Sport boten kurzweilige Beschäftigung. Das Lager untersteht seit August 1916 der Zivilverwaltung. Die Gefangenen selber kommen nur selten mit Franzosen in Verbindung, da eine Art Selbstverwaltung besteht. Wenn Pakete, die jeden Donnerstag per Schiff ankommen, ausgehändigt werden, sind Franzosen dabei.

Hier merkten wir oft, dass unsere U-Boote in der Nähe arbeiteten. Die Schiffe flüchteten sich in den von der Natur begünstigten Kriegshafen und lagen ängstlich tagelang darin. Auch beschädigte Schiffe sah ich manchmal an den Schleppdampfer geklammert einlaufen. In der Nähe übten oft französische Torpedoboote. Auch das Uebungsschiessen der Strandbatterien konnte ich mehrmals beobachten.

September und Oktober auf Île Longue waren für mich recht traurige Monate. Durch den fortgesetzten Lagerwechsel und den unerwarteten Transport nach der Insel anstatt nach der Schweiz, dauerte es fast 4 Monate, bis die Postverbindungen wieder hergestellt waren. Während dieser Langen Zeit erhielt ich weder Briefe, Geld- noch Paketsendungen. Da fühlte ich noch einmal so recht die Armut eines verlassenen Gefangenen. Dabei lag ich in einer Baracke zwischen Polen, Kroaten und Griechen, mit denen ich mich nicht verständigen konnte und deren Elend mich peinlich berührte. Als endlich wieder Nachrichten aus der Heimat eintrafen, ging es besser."

Brief von Theo an seine Eltern vom 23. Dezember 1916