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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Der Erlebnisbericht des Ungarn Aladar Kuncz
On-line gesetzt am 29. Dezember 2013
zuletzt geändert am 10. Januar 2016

von Christophe

Aladar Kuncz wird am 1. Januar 1886 in der ungarischen Stadt Arad geboren. Nach einem Studium am Kolleg für „Hohe Kultur“ „Eötvös“ lehrt er Literatur an einem Gymnasium in Budapest. Wiederholte Aufenthalte in Frankreich, in Paris oder der Bretagne. In Carantec, unweit von Morlaix, wird er am 1. August 1914 von der Mobilmachung überrascht.

Da es für ihn unmöglich ist, das Gebiet Frankreichs am ersten Tag der Mobilmachung zu verlassen, muss er sich bei der französischen Polizei melden. Er folgt der Aufforderung, sich am 15. August am Bahnhof von Evry einzufinden; er wird nach Périgeux deportiert und von Oktober 1914 bis Juli 1916 auf der Insel Noirmoutier interniert, später, bis April 1919, auf der Ile d’Yeu. Erstaunlicherweise führt ihn der Heimweg nach Ungarn ins Lager Ile Longue, wo er vom 26. April bis zum 15. Mai 1919 verweilt.
Aladar Kuncz zeigt sich tief enttäuscht von den Hass-Bezeugungen, denen er und seine Mitgefangenen ausgesetzt waren - und dies von Seiten eines Volkes, dessen Literatur er so liebte. Seine fünfjährige Gefangenschaft ist in seinem Buch „Le Monastère Noir“ beschrieben, das 1931 erscheint und 1937 ins Französische übersetzt wird (eine deutsche Übersetzung scheint es nicht zu geben). Auf einer der letzten Seiten dieses Buches findet sich eine interessanter Augenzeugenbericht über das Lager auf Ile Longue:
"Auf dieser tatsächlich langgezogenen, nahezu unbewohnten Insel war ein weiträumiges Lager errichtet worden. Unzählige, von Stacheldraht umzäunte Baracken hatten während der ganzen Dauer des Krieges vier- bis fünftausend Zivilinternierte beherbergt. Zur Zeit unserer Überstellung dorthin mochten es noch ungefähr viertausend Gefangene sein.
Als wir ankamen, erwartete uns eine Gruppe von Landsleuten, darunter einige Freunde und Bekannte aus der Vorkriegszeit. Wie zuvorkommende Gastgeber erwiesen sie uns die Ehre einer „Führung durchs Haus“, suchten für uns gute Plätze in den Baracken und machten uns mit dem Lagerleben vertraut, das natürlich in einer so weiträumigen Anlage ganz anders war als in unserem kleinen Lager von Ile d’Yeu.
Auf der Ile Longue durften die Gefangenen auf ihre Kosten bauen, was und wie sie wollten. Sie hatten ihr Theater, ihre Bibliothek; die Künstler hatten sich Ateliers eingerichet. In den Baracken hatte jeder genügend Platz und durfte ihn nach eigenem Ermessen nutzen. Die Kellner hatten tagsüber an ihren Schlafplätzen kleine Café-Restaurants organisiert. Es gab auch einen Fußballplatz. Die Internierten waren selbst für die Disziplin verantwortlich. Die normale Verpflegung war hier auch schlecht. Aber da es unter den Gefangenen reiche Leute gab, die in Gefangenschaft gerieten, als sie von den Schiffen aus Amerika geholt wurden, konnten die ärmeren sich gegen Bezahlung in ihren Dienst zu stellen, um nicht Hunger zu leiden.
Wir blieben drei Wochen in diesem neuen Lager ..."

Aladar Kuncz in « Le Monastère Noir », L’Etrave, Beauvoir-sur-Mer, 1999, page 287