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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Der offizielle Bericht der französischen Marine
On-line gesetzt am 1. November 2012
zuletzt geändert am 7. März 2015

von Gérard, Maya

Zwei ofizielle Dokumente berichten von der Aufbringung der „Nieuw Amsterdam“:

  1. Das chiffrierte Telegramm N° 229 des Seepräfekten von Brest an den Verteidigungsminister in Bordeaux vom 5. September 1914,
  2. Der Brief des Vize-Admirals, Oberkommandanten, Seepräfekten und Gouverneurs Berryer an den Marineminister.

Die „Nieuw Amsterdam“ hatte Mais und einige Silberbarren der Bank der Niederlande an Bord. Die gesamte Ladung wurde konfisziert. Die durch die Beschlagnahmung der Ladung entstandenen Streitigkeiten waren noch 1923 nicht abschließend geregelt. Die Gefangennahme von fast 1000 Männern hat viel weniger Proteste hervorgerufen!


1. Das chiffrierte Telegramm N° 2229 des Seepräfekten von Brest an den Verteidigungsminister in Bordeaux vom 5. September 1914 (Télégramme chiffré n°2229 du 5 septembre 1914, du préfet maritime de Brest au ministre de la défense, à Bordeaux, service historique de la défense, cote SSEa 410).

"Besuch auf holländischem Passagierschiff NEW AMSTERDAM (sic), auf dem Weg von New York nach Rotterdam, von Hilfskreuzer SAVOIE aufgebracht und nach Brest geleitet, Anwesenheit an Bord von 730 deutschen und österreichischen kampfbereiten Staatsangehörigen festgestellt, darunter 32 Offiziere. Internierung in Fort Crozon und Gefängnis BOUGUEN angeordnet. Zwischenfall bei Überstellung veranlasst Leutnant zur See R... einen Gefangenen mit einem Revolverschuss zu töten (Anm.d.R : Laut Meldeamt Crozon handelt es sich bei dem Opfer um Johann TIMBERSICS). Vorgang vielleicht gerechtfertigt aus Notwendigkeit, etwas gegen missachtete Autorität zu zeigen und Gewaltakt des Gefangenen gegenüber Gendarm zu unterbinden.

Geschmuggeltes Kriegsgut und Lebensmittel müssen noch ausgeladen werden, ich denke, das Schiff nach Abschluss dieser Maßnahmen freizugeben unter Anwendung des Artikels 59 Anweisungen. Laut Bordpapieren fährt das Schiff nach vorgesehenem Zeitplan, Meinung bestätigt durch Anwesenheit von Passagieren anderer Staatsangehörigkeit und Depeschensäcken. Operation morgen Abend beendet, Schiff wird freigegeben, wenn nicht anderslautender Befehl."


2. Brief 769 M vom 28. Oktober 1914 des Vize-Admirals Berryer, Oberbefehlshaber, Seepräfekt, Gouverneur, an den Marine-Minister (service historique de la défense, cote SSEa 410)

„In Ausführung der in Ihrem chiffrierten Telegramm N° 4618 enthaltenen Befehle, habe ich die Ehre, Ihnen einen Bericht zu schicken, der die verschiedenen Informationen über die Festnahme der deutschen und östereichisch-ungarischen Passagiere zusammenfasst, die auf der“Nieuw Amsterdam" nach Europa reisten, um in den feindlichen Armeen Kriesgdienst zu leisten.

Die „Nieuw Amsterdam“ ist am Morgen des 2. September westlich der Casquet-Inseln (Anm.d.R. : im Westen der anglonormannischen Insel Alderney, Ärmelkanal) durch den Hilfskreuzer „Savoie“ aufgebracht und am folgenden Tag nach Brest geleitet worden. Die Passagiere waren größtenteils Deutsche und Österreich-Ungarn aus Nord- und Mittelamerika, die, zum Kriegsdienst einberufen, in ihre Heimatländer fahren wollten. Obwohl einige von ihnen ihre Militärpapiere ins Meer geworfen haben, besteht über ihr Reiseziel kein Zweifel, und diese selbst haben nicht ernsthaft versucht, das zu bestreiten. Ich habe also sofort bei Ankunft des Schiffes durch einen zu diesem Zweck bestimmten Kapitän zur See die Passagiere aufteilen lassen; der Herr Kapitän zur See hat gemäß den erhaltenen Befehlen als Deutschen oder Österreich-Ungarn jedes Individuum betrachtet, das erklärte, der einen oder der anderen Nation anzugehören oder die Angehörigkeit zu keiner anderen nachweisen konnte. Jedes offizielle Papier der jeweils angegebenen Nation wurde als Nachweis anerkannt. Nach diesem Prinzip wurde jedes von Konsuln ausgestellte Papier als Nachweis anerkannt, nicht dagegen die von konsularischen Mitarbeitern ausgestellten Zertifikate. Die „Declarations of intention“ sind nicht als Ersatz der Staatsbürgerschaftsurkunde anerkannt worden.

Da die deutschen Telegramme melden, dass alle Männer von 16 bis 60 Jahren einberufen worden sind, wurde jedes Individuum zwischen diesen Geburtsjahren als eingezogen betrachtet und festgehalten. Ausnahmen galten einzig für Kranke, die vom Schiffsarzt als nicht transportfähig bezeichnet wurden. Ein von mir bestimmter Arzt hat eine Gegenkontrolluntersuchung durchgeführt.

Kein anderer Berufsstand als der des Arztes schien die Haftunfähigkeit aussprechen zu können. Für die Angehörigen dieses Berufes sind Sie um Anweisungen gebeten worden. Die Freilassung, die Sie angeordnet haben, ist nach Überprüfung der behaupteten Qualifikation durch eine berufsbezogene Examinierung ausgesprochen worden: Sie betraf sechs Individuen.

Nach Abschluss dieser ersten Aufteilung wurden alle als Unteroffiziere oder Soldaten eingestufte Gefangenen zur Internierung ins Fort von Crozon verbracht. 32 Deutsche bzw. Österreicher, die sich als Offiziere auswiesen, wurden bis zur Fertigstellung einer besonderen Unterbringung in das Gefängnis von Bouguen (Anm.d.R.: ein Gefängnis in Brest) eingewiesen. Da diese Einteilung notgedrungen etwas schnell vor sich ging, ließ ich, wegen der Befürchtung von Irrtümern, am nächsten Morgen direkt im Fort eine gründlichere Untersuchung durchführen, um namentlich diejenigen Deutschen bzw. Österreich-Ungarn frei zu lassen, die aufgrund ihres Alters keinen militärischen Verpflichtungen mehr unterlagen. So wurden acht Individuen an Bord der „Nieuw Amsterdam“ zurückgebracht, darunter sechs Kranke und ein Amerikaner.

Die Sorgfalt, mit der diese verschiedenen Untersuchungen durchgeführt wurden, lassen mir keine Zweifel an unserem Recht, die nicht freigelassenen Personen festzuhalten: Der Punkt, der mir zweifelhaft erschien, war die Frage, ob in Anwendung des Artikels 55 der Verordnungen zur Anwendung des Völkerrechts im Kriegsfalle das Schiff nicht selbst Gegenstand einer Einbehaltung sei.

Obwohl ich davon informiert war, dass die Abfahrt des Schiffes im Hafen von New York Anlass zu einer deutschen Kundgebung war, die beim Kapitän keinen Zweifel über Ziel und Zweck für fast alle Passagiere lassen konnte, glaubte ich nicht, Ihnen diese Maßnahme vorschlagen zu müssen: Das Schiff war zu dem laut Fahrplan vorgesehenen Datum abgefahren und konnte, da es auch einige wenige andere Passagiere an Bord hatte, folglich als regulär betrachtet werden.

Wie ich bereits sagte, haben wir in einer ersten Untersuchung 32 Offiziere anerkannt. Die Papiere, die uns seitdem gezeigt wurden, haben uns dazu veranlasst, die Zahl auf 41 deutsche und 3 österreichisch-ungarische Offiziere zu erhöhen. Wir haben dieser Gruppe zwei ungarische Abgeordnete (Anm.d.R. : einer davon ist Dr. Barna BUZA) hinzugefügt, deren Rang eine Vorzugsbehandlung gerechtfertigt erscheinen lässt.

Gleich nach Bereitstellung der Unterkunft sind diese Offiziere ins Château de Brest überstellt worden. Sieben ihrer Landsleute wurden ihnen als Ordonnanzen zugeteilt.

Die drei Schriftstücke, die ich diesem Brief beifüge, liefern die Auskünfte, die wir über jeden einzelnen Gefangenen erhalten konnten (Anm.d.R.: nur eines dieser drei Schriftstücke ist in den Archiven vorhanden; es handelt sich um die Liste der österreichischen Gefangenen).

Nachdem - auf Anweisung der Minister des Inneren und des Krieges - der Herr Präfekt des Finistère mich gebeten hat, ihm die aufgelassenen Forts in der Bucht zur Unterbringung der gefangenen Deutschen zur Verfügung zu stellen, habe ich, gemäß Ihrer Erlaubnis am 13. September die Gefangenen des Fort Crozon vorläufig an Bord des „Charles-Martel“ überstellen lassen, wo sie übrigens bei Bedingungen untergebracht sind, die sie als viel angenehmer betrachten als die in den Forts. Der „Charles-Martel“ liegt geschützt in der Bucht vor Anker.

Sobald das Lager, das mich der Kriegsminister auf der Île Longue zu installieren autorisiert hat, seine Bewohner aufnehmen kann, werden die Nicht-Offiziere unter den Gefangenen der „Nieuw Amsterdam“ dorthin überstellt (am 2. November, wie ich vermute).

Das, Herr Minister, ist der treue Bericht der Geschehnisse.

Um diesen gemäß den in Ihrem Telegramm enthaltenen Anweisungen zu vervollständigen, müssen nun die Anfragen bzw. Auskunftsgesuche, die ich von den Ministerien des Inneren, des Krieges und der Marine enthalten habe, angefügt werden. Bei dieser Gelegenheit merke ich an, dass die Gefangenen von dem Tag an, an dem sie von Bord der „Nieuw Amsterdam“ geholt wurden, in Anwendung von Artikel 60 des offiziellen Bulletins des Kriegsministeriums (methodische Ausgabe N° 77, Kriegsgefangene), der Verantwortung des Militärs übergeben wurden, das ihre Bewachung und Verwaltung sicherstellt. Allerdings wurden, während der provisorischen Unterbringung auf dem „Charles-Martel“, ihre Versorgung und Bewachung natürlich von den Dienststellen der Marine sichergestellt, wobei die militärischen Dienststellen mit allem beauftragt bleiben, was Personalakten und Korrespondenz der Gefangenen betrifft.

ZUM THEMA DER KRANKEN

Es wurde mir berichtet, dass es unter den in Crozon Internierten dreizehn kranke Gefangene gebe, die in die Heimat entlassen werden könnten, weil sie in ihrem Zustand nicht in der Lage seien, Waffen zu tragen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Sie mir angekündigt, dass das Rot-Kreuz-Schiff „Red Cross“ (amerikanisch) wahrscheinlich in Brest vorbeikäme, um dann nach England und Deutschland weiter zu fahren. Ich hatte mir gedacht, das wäre eine gute Gelegenheit, unsere Kranken loszuwerden, und ich hatte folgende Befehle des Kriegsministers entgegengenommen: „17. September – Gouverneur Brest an Kriegsminister Bordeaux. Unter deutschen und österreichischen Gefangenen vom Dampfer “Nieuw Amsterdam„, festgehalten in Crozon sind dreizehn Gefangene, die aufgrund schwerer Erkrankungen sicher nicht mehr Kriegsdienst leisten können. Autorisiere Sie zu Verhandlungen, um zu versuchen, sie dem Lazarett-Dampfer “Red-Cross„ zu übergeben, der, aus Amerika kommend, in Brest erwartet und nach England und Deutschland fahren wird.“

Ich dachte, dass ich bei Erteilung dieser prinzipiellen Autorisierung, im Fall der Nicht-Inanspruchnahme der „Red-Cross“, deren Kommen problematisch blieb, auf die in Brest vorbeikommenden zahlreichen holländischen Dampfer mit Bestimmungshafen Rotterdam zurückgreifen könnte. Die Antwort auf mein Telegramm erhielt ich am 2. Oktober; sie hatte folgenden Wortlaut: „Laut Kriegsminister meldet Gouverneur Brest, dass unter den vom Dampfer “Oued-Guerde„ geholten Deutschen und Österreichern dreizehn Kranke sind, die er auf der “Red-Cross„ in die Heimat zu schicken vorschlägt. Interministerielle Kommission Kriegsministerium hat anerkannt, dass diese Männer als Passagiere zu betrachten und den zivilen Behörden zu übergeben sind. Bitte übernehmen Sie diese Leute und wenden Sie die für kriegstaugliche Deutsche und Österreicher geltenden Maßnahmen an, denen zufolge sie in Lagern festzuhalten sind. Wenn sie jedoch wegen ihres Gesundheitszustandes ins Krankenhaus geschickt werden und sich dort aufhalten müssen, liegt es an Ihnen, unter Berücksichtigung aller von Ihnen als notwendig erachteten Vorsichtsmaßregeln, ihre Krankenhauseinlieferung zu veranlassen.“

Inzwischen sind mehrere dieser Kranken in das Marine-Krankenhaus der Île de Trébéron (Anm.d.R. : kleine Insel in der Brester Bucht, nahe der Île Longue) transportiert worden, andere wurden auf der Krankenstation des „Charles-Martel“ behandelt. Die Anweisungen des Innenministeriums sind also de facto ausgeführt worden, unter Bedingungen, die von den zivilen Behörden nicht hätten erfüllt werden können. Nichts ist daran verändert worden. Einer der internierten Kranken, der Österreich-Ungar Sigmund GEBAUER, hat mir inzwischen, zusammen mit einem ärztlichen Attest, einen Antrag auf Freilassung zustellen lassen. Ich habe sie mit einer auf dem unsicheren Zustand des Internierten beruhenden Befürwortung an den Kriegsminister weitergeleitet. Der Kriegsminister hat mir mit Schreiben vom 14. Oktober seine Befehle zugeleitet; darin steht namentlich: „Die interministerielle Kommission für Kriegsgefangene hat beschlossen, sie als Kriegsgefangene zu betrachten. Unter diesen Bedingungen kann ich gegenwärtig die Freilassung keines von ihnen ins Auge fassen. Wenn der Gesundheitszustand des Herrn GEBAUER besondere Behandlung erforderlich macht, liegt es an Ihnen, die Maßnahmen der Einweisung in ein Krankenhaus der Region anzuordnen usw. ...“

GESUCHE UM AUSKÜNFTE

Am 20. September hat mir der amerikanische Konsul von Brest ein Telegramm seines Kollegen aus Hamburg zugeleitet, in dem dieser um Auskünfte über den Gesundheitszustand der „Nieuw Amsterdam“-Passagiere Paul GOWA und Carl Heinrich VOIGT bittet. Es wurde ihm am 21. September geantwortet, dass der erstgenannte Internierte krank sei und unter Beobachtung stünde und dass er, wenn sich sein Zustand verschlechtere, ins Militärkrankenhaus überführt werde. Der andere wurde als bei guter Gesundheit befindlich bezeichnet.

Mit demselben Brief hat mir der Konsul von Brest ein Telegramm des amerikanischen Konsuls von Le Havre übermittelt, der sich auf den Gesundheitszustand von Alfred IBACH bezieht. Ihm wurde geantwortet: zufriedenstellender Gesundheitszustand.
Zum gleichen Datum wurde mir ein Telegramm des amerikanischen Konsuls von Stockholm zum Thema der Gesundheit des in Brest internierten deutschen Arztes Robert KLEINSCHMIDT zugeleitet. Es wurde geantwortet: zufriedenstellender Gesundheitszustand.

Am 3. Oktober hat mir der amerikanische Konsul von Brest eine Anfrage seines Kollegen aus Nantes zugeleitet, um Auskünfte über die Situation des Pastors Johann JAEGER und seines Sohns, beide deutsche Staatsbürger, zu erhalten. Es wurde ihm am 4. geantwortet, dass diese Deutschen nicht auf der Liste der von der „Nieuw Amsterdam“ geholten Passagiere stehen.

Am 10. Oktober erreicht mich, vermittelt vom Präfekten des Finistère, ein Gesuch um Auskünfte. Es bezieht sich auf den österreichischen Staatsbürger Herrn SCHIFFRES, dessen Frau um die Erlaubnis bittet, zu ihm zu kommen. Es wurde wie folgt geantwortet: „Mit Schreiben vom 10. Oktober haben Sie mir die Kopie eines Schreibens des Herrn Innenministers gesendet, in dem es um Auskünfte über den österreichischen Staatsbürger Herrn SCHIFFRES geht. Ich habe die Ehre, Ihnen die gegenwärtige Lage des Herrn Sigmund SCHIFFRES zur Kenntnis zu bringen: Chemie-Ingenieur, Reservist des österreichisch-ungarischen Heers, ist er Kriegsgefangener und an Bord des Kreuzers “Charles-Martel„ in der Bucht von Brest interniert. Sein Gesundheitszustand ist tatsächlich sehr unsicher. An beiden Augen vom Star befallen, ist er operiert worden, was zu einer deutlichen Verringerung seiner Sehkraft führte. Er leidet außerdem an chronischer Gastritis und Blutarmut und muss eine besondere Diät einhalten. Er wird auf der Bord-Krankenstation behandelt. Was das Gesuch von Frau SCHIFFRES betrifft, so scheint diesem nicht stattgegeben werden zu können, solange ihr Mann, sei es an Bord eines Schiffes, sei es in einem Gefangenenlager, interniert ist. Es liegt übrigens beim Innenminister und bei seinem Kollegen vom Kriegsministerium, für eine Veränderung der Situation des Herrn SCHIFFRES Sorge zu tragen, wenn er es für richtig hält. Der schlechte Zustand, in dem er sich befindet, würde vielleicht seine endgültige Freilassung rechtfertigen.“

Am 12. Oktober über den Präfekten des Finistère eine weitere Anfrage, über die ich Ihnen in meinem chiffrierten Telegramm N° 3100 vom 14. Oktober mit der Bitte um Instruktionen berichtet habe. Entsprechend Ihren Anweisungen habe ich dem Präfekten des Finistère in folgenden Worten geantwortet: „In Beantwortung Ihres Schreibens vom 12. Oktober habe ich die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass tatsächlich eine gewisse Zahl deutscher Staatsbürger, die als Reservisten der Landarmee an Bord des holländischen Dampfers “Nieuw-Amsterdam„ in ihre Heimat reisten, festgenommen worden sind, als dieses Schiff in die Brester Bucht geleitet wurde.“ Am 12. Oktober hat mir der Präfekt des Finistère eine Bitte um Auskünfte des Außenministers über die gegenwärtige Situation der Herren Karl ITALIENER und Robert KLEINSCHMIDT, beide deutsche Staatsbürger, zugeleitet. Am 13. habe ich die folgenden Angaben gemacht: „ITALIENER, Karl – Reservesoldat – 1. Tross-Bataillon des deutschen Heers, interniert auf der “Charles-Martel„, gehört zu den Passagieren der “Nieuw-Amsterdam". Beide sind bei guter Gesundheit.

Am 14. Oktober bittet mich der Kriegsminister mit Telegramm N° 422-6/10, ihn über die militärische Situation von FRIEDHELM, dem Präsidenten des Berliner Roten Kreuzes zu informieren. Am 16. Oktober habe ich wie folgt geantwortet: „Gemäß Attest des Konsuls von Deutschland in New York sei FRIEDHELM befreit von jedem Militärdienst. Er ist 37 Jahre alt – anständiges Verhalten – an chronischer Nierenentzündung erkrankt – unsicherer Zustand.“

Am 18. Oktober erkundigte sich der Präfekt des Finistère im Namen des Außenministers über die Situation des österreichischen Staatsbürgers und Passagiers der „Nieuw-Amsterdam“ Georg Wilhelm PABST. In meinem Schreiben vom 22. Oktober heißt es wie folgt: „Wilhelm Pabst, österreichischer Staatsbürger, geboren am 27. August 1887 in Ranswick (Anm.d.R. : tatsächlich ist G.W. Pabst 1885 in Raudnitz (Böhmen) geboren), Schauspieler und Leiter einer Theater-Truppe in New-York, ist zur Zeit an Bord der “Charles-Martel„ in der Brester Bucht interniert. Es geht ihm gut, er klagt jedoch, kein Geld zu haben.“

Wie Sie dieser Aufzählung entnehmen können, habe ich über verschiedene Kanäle Bitten um Auskünfte erhalten. Im allgemeinen habe ich geantwortet, ohne Sie um Anweisung zu bitten; von dieser Regel bin ich nur abgewichen, wenn ich gesehen habe, dass meine Antwort dem Vertreter einer neutralen Macht übermittelt werden könnte, ohne dass diese Ihnen vorher zu Gesicht gekommen wäre. Es steht fest, dass es auf alle Fälle vorteilhaft wäre, wenn mir derartige Gesuche nur durch Vermittlung des Kriegs- und des Marineministeriums zugeleitet werden könnten. Was die Kranken betrifft, deren oft sehr unsicherer Zustand uns garantiert, dass sie sich nicht aktiv am Krieg beteiligen können, hielte ich es für zweckmäßig, uns ihrer auf irgendeine Weise zu entledigen. Der Weg des Austausches wäre sicher der vorteilhafteste.