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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Die Bibliothek
On-line gesetzt am 16. Dezember 2012
zuletzt geändert am 30. November 2014

von Christophe

Dass sich im Lager ein reiches Kulturleben entfalten konnte, ist nicht zuletzt der Existenz einer Bliothek zu verdanken. Unter dem Titel „Unsere Lagerbibliothek“ wird sie in einem umfangreichen und schönen Artikel der Lagerzeitung „Die Insel-Woche“ vorgestellt. Hier einige Auszüge:

„Unser Lagerbücherei ist ganz ausgezeichnet zusammengestellt. Für alle Bildungsklassen, für alle Berufe, für jedes Bedürfnis bietet sie etwas. Am besten beweist dies die Benutzungsstatistik. Vom 1. April 1916 bis zum 31. März 1917 sind mehr als 50 000 Bände ausgeliehen worden. Täglich werden 200 - 250 Bücher gewechselt; ständig sind mehr als 2000 Bände im Umlauf. Nicht ganz uninteressant ist nach dieser Übersicht die Tatsache, dass, dem Geiste der Zeit entsprechend, Walter Bloems „Volk wider Volk“ das meistgelesenste Buch gewesen ist. Es folgen dann Werke der Clara Viebig, von Rudolf Herzog usw. Die Schundliteratur, die sich unvermeidlich auch vorfand, wird nach und nach ganz aus dem Verzeichnis verschwinden.“

In demselben Artikel erfahren wir, woher die Buchbestände kommen:

„In den ersten anderthalb Jahren der Gefangenschaft war es trotz der großen Anzahl von Büchern, die im Privatbesitz der Kameraden vorhanden waren, nicht gelungen, eine Bücherei zur Benutzung Aller einzurichten. Nur für das Soldatenlager bestand eine kleine Bücherei. Ende März 1916 bildete sich dann ein Komitee, das die reichen Bücherschätze des Lagers für das Allgemeinwohl aus den Baracken herausholte und in der für diesen Zweck zur Verfügung gestellten Adrianbaracke zunächst mit 50 Bänden die Lagerbücherei und Lesehalle einrichtete. Nach und nach wurden aus dem persönlichen Besitz der Kameraden immer mehr Bücher hergegeben. Die Bücherzentrale in Bern, das schweizerische Hochschulhilfswerk in Freiburg, die christlichen Vereine junger Männer und andere derartige Liebeswerke gegen die geistige Verarmung der Kriegsgefangenen vermehrten durch ihre Sendungen unsere Bestände, sodass am 1. Juli 1916 die Bücherei bereits 3000 Bände stark war. Eine weitere Vermehrung erfuhr sie durch die Einreihung der Bestände der Läger von Usèz, Aurillac und Île de Siek. Am Schlusse der ersten Jahrestätigkeit enthält das Bücherverzeichnus unseres Lagers mehr als 5 500 Bände, wozu noch eine Reihe von Zeitschriften kommt, die in der Lesehalle aufliegen“.

Ausdrücklich unterstreicht der Verfassers des Artikels seine Hochschätzung für die Leitung der Bibliothek, die es verstanden habe, „...in ihr ein Zentrum des geistigen Lebens unserer kleinen Inselwelt zu schaffen, aus dem sich alle anderen Einrichtungen unseres Lebens gegen die geistige Verarmung und für die geistige Unterhaltung und Weiterbildung der Kameraden herausgebildet haben: Vorträge, Schule, wissenschaftliche Vortragskurse und unsere Schauspiele. Und das ist wirklich ein bedeutsames Werk, das festgehalten zu werden verdient.“

Dieser Text im Ganzen:
„Unsere Lagerbibliothek“ in: „Die Insel-Woche“ N° 2, 2. Folge, 1. Jahrgang