Hauptbanner
le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Erlebnis-Bericht des Alex. G.
Lagerwächter
On-line gesetzt am 14. März 2019

von Gérard, Monique, Ursula
logo imprimer

Das Mitteilungsblatt der Kirchengemeinde Saint-Philbert-de-Bouaine veröffentlichte am 28. November 1915 einen Brief von einem seiner Gemeindemitglieder, „Alex. G.“, an den Pfarrer von Saint-Philbert-de-Bouaine (Vendée). Wahrscheinlich handelt es sich um Alexandre Graton (Jahrgang 1897), der in dieser Gemeinde wohnte und der, nachdem er teilweise sein Augenlicht verloren hatte, „in den Hilfsdienst eingestuft“ wurde. Er wurde in das 19. Infanterieregiment in Brest eingegliedert und ab 18. Oktober 1915 dem 87. Territorialen Infanterieregiment zugeteilt [1].

Sehr geehrter Herr Priester!

Mit 250 Kameraden kam ich auf die Île Longue in der Nähe von Brest, um 3 000 Gefangene zu bewachen. Diese sind auf einem 400 m langen und 150 m breiten Gelände untergebracht, das von zwei Stacheldrahtzäunen umgeben ist. In diesem Lager gibt es mehr als 80 Baracken. Die Gefangenen haben: Schlafräume, Küchen, Waschräume, etc. Sie machen sich keine Sorgen, fast den ganzen Tag kann man sie singen und sogar Musik spielen hören. Das Lager wird draußen von 14 Wachen und drinnen von 5 bewacht. Die Disziplin ist für uns sehr streng, und wir müssen alle 2 oder 3 Tage die Wache übernehmen, was besonders nachts schwer ist, da es am Meer sehr kalt ist. Dort kann man in der Stille der Nacht meditieren oder den Rosenkranz beten. Die Insel, auf der wir leben, ist mit der Halbinsel Crozon verbunden, wo sich auch die Kirche befindet, von der wir aber 8 km entfernt sind. Wir haben keinen Freigang, deshalb können wir nicht zur Messe gehen. Gestern jedoch war ich im Lager auf Wache, als ich um 9 Uhr abgelöst wurde, und ich hörte einen Korporal rufen: „Gibt es hier jemanden, der zur Messe gehen will?“ „Hier, hier“, sagte ich sofort, und auch weitere meldeten sich. Also gingen ein Dutzend von uns mit einem Korporal und einem Sergeanten selbstverständlich zusammen mit den Deutschen. Dazu ist zu sagen, dass jeden Sonntag ein Priester aus Brest kommt, um für sie in einer kleinen Höhle die Messe zu halten [2]. An diesem Tag waren es etwa 200, und sie sahen sehr ernst aus, viele von ihnen gingen sogar zur Kommunion. Ich bedauerte es sehr, dass ich nicht das Gleiche tun konnte. Als wir zurückkamen, wurde über uns Gespöttelt; aber es war egal, es hat uns nicht getroffen, und wir fühlten uns glücklich, an einer Messe teilgenommen zu haben.

Empfangen Sie, Herr Priester, meine respektvollen Grüße.

Alex. G.

Au camp de l’Ile Longue, la « chapelle »
Katholische Lagerkapelle im Pulvermagazin des Forts
(source / Quelle : Association Île Longue 14-18 / Archives Carl E. SCHILL)
Notes :

[1Archives de Vendée : 4 Num 26 - Bulletin paroissial 1908-1960 - Archives de Vendée : Soldats de Vendée 1914-1918 - vue 333/881

[2Die „Höhle“ ist das ehemalige Pulvermagazin des Forts (siehe Inspektionsbericht von Edward. M. Pickman vom 16. Januar 1915)


AufzählungszeichenKontakt AufzählungszeichenRaum der Verfasser Aufzählungszeichen RSS

2012-2019 © Le camp d’internés 1914-1919 - Alle Rechte vorbehalten
Oben
Website aufgestellt mit SPIP
mit der Schablone ESCAL 4.1.21