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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Fritz Sauckel (D)
On-line gesetzt am 1. November 2012
zuletzt geändert am 22. März 2017

von Christophe

Am 8. August 1914 bringt der französische Torpedoboot-Zerstörer „La Rapière“ den deutschen Frachtsegler „Frieda Mahn“ im Ärmelkanal auf; die acht Besatzungsmitglieder werden gefangen genommen und interniert. Unter ihnen der zu diesem Zeitpunkt zwanzigjährige deutsche Matrose Fritz Sauckel, der später einer der höchsten und berüchtigsten Würdenträger des Nazi-Regimes werden sollte.

Seit 1933 „Reichsstatthalter von Thüringen“ wird Sauckel 1942 zum "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ ernannt und ist damit für die Deportation und den Einsatz von etwa fünf Millionen ausländischer Arbeitskräfte nach Deutschland verantwortlich, die für die deutsche Industrie und Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten mussten. Im Nürnberger Prozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt, wird er am 16. Oktober gehängt.

Sauckel-Biographien

Nach Internierung in den Lagern Cherbourg, Saint-Lô und Dinan kommt Sauckel am 28. September 1915 ins Lager Île Longue und bleibt dort bis zu seiner Entlassung am 20. Oktober 1919. In einer 1915 verfassten autobiographischen Schrift mit dem Titel « Für Herrn Mayor Kelly » (Steven Raßloff S. 119) spricht er von seinen Beschäftigungen in den Jahren der Internierung: „Neben Arbeit habe ich in Gefangenschaft nautische, mathematische, volkswirtschaftliche und soziale Studien betrieben und darüber auch einige Prüfungen abgelegt.“ Nach Raßloff könnten diese Studien die Grundlage für die Radikalisierung seiner später gezeigten nationalistischen und antisemitischen Gesinnung gebildet haben.

Sein Name erscheint in der Lagerzeitung, „Die Insel-Woche“ (II-1-16 vom 22. Juli 1917) als Mitglied einer Fußballmannschaft des Lagers Île Longue im Spiel gegen eine Mannschaft von kürzlich vorher aus dem Lager Uzès angekommenen Internierten. Ebenso erscheint er im Anhang der von den Internierten im Jahre 1918 herausgegebenen Broschüre über das Unterrichts- und Ausbildungswesen auf Ile Longue als Prüfling im Fach Trigonometire.

Lässt sich daraus schließen, dass er ein ganz „normaler“ und allenfalls mittelmäßiger Internierter war? Und wäre damit auch auf Fritz Sauckel anzuwenden, was Hannah Arendt über Adolf Eichmann und die „Banalität des Bösen“ sagt ?

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