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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Handwerk
On-line gesetzt am 15. Dezember 2012
zuletzt geändert am 30. November 2014

von Christophe

Die zahlreichen Artikel der Lagerzeitung „Die Insel-Woche“, die den verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten gewidmet sind, erinnern in ihrem erbaulichen Ton an den Leitartikel, „Zum Geleit“, der die humanistischen und ethischen Grundprinzipien der Zeitung definiert.

Laut „Insel-Woche“ sind im Lager folgende Berufsgruppen bzw. Arbeitsbereiche vertreten : Holzschnitzer, Einlegearbeiten, Musikinstrumentenbau, Zeichnen, Plastik, Modellbau, Schreiner und Kunstschreiner, Maler und Tapezierer, Klempner, Blumenarbeiten, Maschinenbau, Schuster, Holzdreher. Aus Zeichnungen geht hervor, dass bestimmte Berufsgruppen, wie z. B. Schneider und Schuster, über eigene Werkstätten verfügen.

Holzschuhwerkstatt, Schneiderei, Insel-Druckerei /
Saboterie, atelier de couture, Insel-imprimerie /
Sabot-making, Dressmaker’s shop, Insel-print office
Grundriss / Plan au sol / Ground plan
Schuhmacher / Cordonniers / Shoemaker
Schneiderei / atelier de couture / tailors
Holzschuhwerkstatt 1 / Saboterie 1 / Sabot-making 1
Holzschuhwerkstatt 2 / Saboterie 2 / Sabot-making 2

Der folgende Artikel aus N° 4 (2. Folge, 1. Jahrgang) vom 29 April 1917 spiegelt den Geist wider, in dem die Zeitung das Thema der Beschäftigungen für die Gefangenen behandelt, ob es dabei um intellektuelle, sportlich-körperliche oder, wie hier, um handwerkliche Tätigkeiten geht.

„Für eine zweite handwerkliche Ausstellung !“

Im August 1915 veranstaltete man in der festlich geschmückten Kantine eine Ausstellung handwerklicher, z. T. künstlerischer Arbeiten, die sämtlich hier im Lager gefertigt waren. Man fasste damit die charakteristischen Merkmale einer allmählichen Entwicklung von einfachen, nur zweckmäßigen Gebrauchsgegenständen, bis zu schmückenden Schnitzarbeiten, Malereien u.s.w. zusammen. Man zeigte das Wachstum einer zivilisatorischen Bewegung im Kleinen, bei der zuerst nur der praktische Nutzen maßgeblich war, während später gewisse Schönheitsbedürfnisse die Richtung angaben. Was sonst zerstreut oder der Allgemeinheit nicht zugänglich, was gar nicht bekannt war an Erzeugnissen und Arbeitsmöglichkeiten, das vereinigte diese Ausstellung zu einem klaren, übersichtlichen Gesamtbild. Was sonst verborgen war im Dunkel irgendwelcher Baracken, das kam ans Licht, brachte Anregung und wies neue Wege. Ja, in diesem Gesamtbilde gelangte der suchende, aufstrebende Geist, der sich trotz aller niederdrückenden Hemmungen immer wieder aufrichtet, gelangte der Trieb nach Betätigung, der irgend einen Inhalt will, zu einem starken Ausdruck.-

Handwerksausstellung / Exposition d’artisanat / Crafts exhibition
Grundriss / Plan au sol / Ground plan

Wie ist es nun heute? Sollte nicht nach bald zwei Jahren weiterer, starker Entwicklung der Zeitpunkt gekommen sein, abermals eine solche Übersicht zu schaffen? Sollten sich nicht Leute finden, die die Organisation einer zweiten solchen Ausstellung freudig in die Hand nehmen würden?

Nach meiner Meinung würde eine Zusammenfassung der heute vorhandenen Arbeiten grosse Überraschungen bringen und allseitige Teilnahme finden. Es blüht manches im Verborgenen, es ist manches Talent in der Stille gewachsen, dessen Schaffen uns angeht, weil es uns Freude machen oder Anregung schaffen kann."

Ein Wort zum Autor dieses Artikels, dessen erhebender und beschwörender Ton den modernen, zumal den französischen Leser möglicherweise amüsiert oder befremdet und sogar an „germanische Schwerfälligkeit“ denken lässt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass dieser Text aus einer Zeit stammt, die große und feierliche Worte liebte - und vergessen wir vor allem die außergewöhnlichen und leidvollen Umstände nicht, unter denen der Autor zur Feder greift. Es handelt sich um den Pastor Friedrich Hommel.

Drehbank 2 / Tour 2 / Lathe 2
Drehbank 1 / Tour 1 / Lathe 1

Zum Thema „Handwerk“ vgl. auch Die Insel-Woche“ n° 28 (2. Folge, 1. Jahrgang), mit Illustrationen.