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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Heute Abend im Theater
On-line gesetzt am 17. November 2014

von Christophe, Gérard

Fernand in Tränen: Marise, Sie gehen! … Sie gehen… Ich verliere Sie! Ich leide! Ich leide, Marise, ich leide so furchtbar!
Und er lässt sich auf einen Stuhl fallen.
Marie-Louise: Schon bald wird die Stunde kommen, in der Sie ihren heutigen Schmerz mit Befremden sehen werden, mit den Augen eines anderen … Mein Fernand, Weinen Sie nicht, lachen Sie! Ja, Sie werden lachen beim Gedanken, dass Sie für das elende kleine Geschöpf, das ich bin sterben wollten! … für Marise!
Fernand, tränenerstickt: Sie gehen! Sie gehen! Es ist herzzerreißend!
Marie-Louise: Die Zeit drängt! Gnade
Fernand: Fürchten Sie nichts. Ich schwöre…
Marie-Louise: Auf mich?
Fernand: Auf Sie!
Den Arm auf den Tisch gestützt, den Kopf in der Armbeuge, weint er schluchzend.
Maire-Louise, über ihn gebeugt: Fernand, mein Freund, mein Bruder …
Sie beugt sich tiefer, küsst ihn und geht hinaus.

Vorhang.

An diesem Juniabend des Jahres des Jahres 1919 beenden die Internierten-Schauspieler des Lagers Île-Longue ihr letztes Theaterstück, das bürgerliche Drama „Der Dieb“ von Henry Bernstein (1876-1953). Zum letzten Mal grüßen die Schauspieler ihr Publikum. Zum letzten Mal verneigen sie sich, und zum letzten Mal verlassen sie die Bühne unter dem Applaus ihres geneigten Publikums.

Zwischen März 1917 und Juni 1919, innerhalb dieser 27 Monate, hat es im Lager mindestens 32 große Theateraufführungen gegeben, 32 Premieren! Das heißt, tatsächlich werden mehrere Stücke des Repertoires mehrmals aufgeführt: „Alt-Heidelberg“ von Wilhelm Meyer-Förster zweimal, im März 1917 und ein Jahr später, im März 1918; „Die versunkene Glocke“ von Gerhart Hauptmann (1862-1946) mindestens viermal, usw.

Das bedeutet, die Zahl der Theaterabende ist noch viel größer. Beim Lesen der Lagerzeitung „Die Insel-Woche“ fällt auf, dass es zeitweise keine Woche ohne Theateraufführung gab. Mindestens sechsmal werden mehrere Einakter am selben Abend gegeben: Im April 1917 die beiden Stücke „Lokalbahn“ und „Erster Klasse“ von Ludwig Thoma (1867-1921), am Sonnabend, dem 12. Mai 1917 drei Stücke verschiedener Autoren und zwar: „Fritzchen“ von Hermann Sudermann (1857-1928), „Die Neuvermählten“ von Bjørnstjerne Björnson (1832-1910) und „Lottchens Geburtstag“ von Ludwig Thoma. Der Abend des 25. August 1917 ist ganz Ludwig Thoma gewidmet: „Die Lokalbahn“, „Lottchens Geburtstag“ und „Den Freunden“, im März 1918 die beiden Stücke „Die letzten Masken“ und „Literatur“ von Arthur Schnitzler (1862-1931) sowie „Der Tor und der Tod“ von Hugo von Hofmannsthal (1784-1929). Im Juni 1918 die beiden Stücke „Erster Klasse“ und „Die Medaille“ von Ludwig Thoma. Und schließlich im Oktober 1918 drei Stücke: „Das Bacchusfest“ von Schnitzler, „Abschied vom Regiment“ von Otto Erich Hartleben (1864-1905) sowie „Eine Tasse Thee“ von Charles Nuitter und Derley.

Im Ganzen wurden also 43 verschiedene Stücke aufgeführt. Und wahrscheinlich waren es mehr!

Es waren Stücke, die sich stark von einander unterschieden. In der ersten Zeit werden Dramen gespielt. Die drei ersten Stücke, „Alt-Heidelberg“, „Jugend“ von Max Halbe (1865-1944) und „Fritzchen“ sind Dramen. Im Laufe der Zeit treten Komödien, Schwänke und Satiren deutlich in den Vordergrund. Von den insgesamt 43 verzeichneten Stücken sind nur knapp zehn Dramen, unter ihnen die Tragödie „Traumulus“ von Arno Holz (1863-1929) und Oskar Jeschke (1861-1928). Die anderen drei Viertel sind volkstümliche Unterhaltungs- und Sittenstücke oder Schwänke und Satiren. Eines der Stücke im Repertoire, „Die versunkene Glocke“ von Gerhart Hauptmann ist ein Märchendrama von mystischer Symbolik.

Île Longue – Alt Heidelberg 1 / Vieux Heidelberg 1
Wilhelm Meyer-Förster