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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Paul Gowa - Acht Monate in französischer Gefangenschaft
On-line gesetzt am 24. Februar 2015
zuletzt geändert am 10. Januar 2016

von Gérard

Paul Gowa wurde vermutlich [1] im August 1890 als achtes Kind des jüdischen Kaufmanns Emil Gowa und seiner Frau Johanna, geb. Jacob in Hamburg geboren. Er erlernte einen kaufmännischen Beruf. Für den 10. Juli 1914 findet sich ein nach Herkunft und Alter passender Eintrag zu Paul Gowa in der „Passenger Arrival List“ von „Ellis Island“. Im August/September 1914 war er unter den Passagieren der „Nieuw Amsterdam“. Er war allerdings zu diesem Zeitpunkt schon als kriegsuntauglich eingestuft. Nach Aufbringung der „Nieuw Amsterdam“ kam er wie die meisten anderen auch in das „Fort Crozon“ und anschließend auf den außer Dienst gestellten Kreuzer „Charles Martel“. Während von hier aus die meisten Internierten nach Fertigstellung der Barracken in das Lager Île Longe kamen, wurde er wegen seines Gesundheitszustandes in die ehemalige Quarantänestation auf der Île Trébéron verlegt, die nun als Krankenhaus diente. Dort verblieb er die nächsten 5 Monate. Er sollte dann wegen seines Gesundheitszustandes mit einem holländischen Schiff nach Deutschland gebracht werden. Diese Reise fiel jedoch wegen des U-Bootkrieges aus und er musste noch einige Zeit im „hôpital de l’arsenal de Brest“ verbringen, bevor er im Sommer 1915 über die Schweiz wieder nach Deutschland gelangte. Paul Gowa ist im November 1918 verstorben.

In einem noch 1915 geschriebenen Bericht über seine Erlebnisse hat er die Verhältnisse in seinen jeweiligen Stationen dargestellt und um Angaben zu den Verhältnissen im Offizierslager „Château d’Anne de Bretagne“ in Brest und dem Lager „Île Longue“ ergänzt, soweit er davon erfahren hatte.

Dieser 36 Schreibmaschinenseiten umfassende Bericht, versehen mit einem gedruckten Titelblatt, befindet sich heute in den Beständen der digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin. Eine transkribierte Fassung findet sich im Folgenden.

Acht Monate in französischer Gefangenschaft

Bericht über meine Gefangenschaft und über die Zustände in den Brester Gefangenenlagern.

Paul Gowa, Hamburg. Deichstrasse 50.

Dem verehrten Leser wird noch die Zeitungsnotiz in Erinnerung sein, in welcher das Rote Kreuz, Abteilung für Kriegsgefangene, mitteilt, dass ich aus der Gefangenschaft zurückgekehrt sei, und den Angehörigen Auskunft über die Verhältnisse und, soweit ich dazu in der Lage bin, auch über Personen gäbe.

Und das kam so:

Nach mehr als achtmonatiger Gefangenschaft haben die Franzosen mich eines Lungenleidens wegen endlich im vorigen Monat laufen lassen und meines Wissens und nach Aussage der Uebernahmestelle in Singen bin ich der erste Zivilgefangene in militärpflichtigem Alter, der aus Frankreich zurückgekehrt ist. Ich besuchte nun in Hamburg einige Familien meiner gefangenen Mitbürger und bald hatte sich die Nachricht von meiner Heimkehr derart verbreitet, dass täglich Angehörige von Gefangenen mich besuchten, um sich von mir berichten zu lassen. Um nicht täglich dieselbe Sache so und soviele Male erzählen zu müssen, liess ich dann in den Hamburger Zeitungen bekannt machen, dass ich an zwei Tagen Auskünfte erteilen würde. Der Besuch war ganz enorm, doch waren alle Leute so sehr dankbar und beruhigt, etwas direktes (was nicht durch die französische Zensur gegangen war) zu hören, dass ich mich gerne entschloss, nach Berlin zu fahren, um hier ein gleiches zu tun. Das Rote Kreuz war so liebenswürdig, mir in der Vossstrasse 25 die nötigen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, und das Publikum durch die Presse zu benachrichtigen. Da ich auch hier keinerlei Eintrittsgebühren erhoben hatte, um auch unbemittelten Angehörigen einen Besuch möglich zu machen, so war der Andrang hier noch viel stärker als in Hamburg. Aber trotzdem glaube ich, allen Besuchern gerecht geworden zu sein. Das Interesse erstreckte sich bis in die höchsten Kreise, und so hatte ich auch die Ehre, Exzellenzen im Abgeordnetenhaus und im Auswärtigen Amt Vortrag zu halten. Aber nun kommt eigentlich erst das Schwierige: Sehr viele Tagesblätter aller Teile unseres lieben Vaterlandes haben die Notiz der Berliner Zeitungen aufgenommen, in allen Teilen Deutschlands hatte man erfahren, dass ein Gefangener aus Brest zurückgekehrt sei, und seitdem hagelt es briefliche Anfragen zu Hunderten. Jede Post bringt Stösse Briefe. Es sind dieses nicht nur Erkundigungen über Brest; nein, unendlich viele Leute, welche einen ihrer Lieben im Felde hatten und der seit so und so langer Zeit vermisst ist, wenden sich an mich, ob ich ihm nicht zufällig begegnet sei. Ich kann ja wohl sehr gut verstehen, dass man in seiner bangen Sorge jede Möglichkeit wahrnimmt, um über den teuren Vermissten vielleicht etwas zu erfahren; und wie gerne hätte ich geholfen und getröstet und banger Ungewissheit ein glückliches Zuendesein beschieden, aber es ist mir ganz unmöglich. Für Vermisste kann Brest meines Erachtens überhaupt nicht in Frage kommen, da jeder Gefangene dort 6-mal im Monat schreiben darf, genau wie die Franzosen in Deutschland. Viele Briefe habe ich beantwortet, später Vordrucke anfertigen lassen und die betreffenden Stellen rot angestrichen, aber nach und nach habe ich doch einsehen müssen, dass es das Beste und Einfachste sei, durch eine ausführliche Besprechung in der Zeitung allen Interessenten das Gewünschte mitzuteilen. Und zwar werde ich nacheinander beschreiben: die Gefangennahme, Fort Crozon, den alten Kreuzer Charles Martel, die Lazaretts Ile Trébéron und Hospital Arsenal, Chateau d’ Anne und Ile Longue.

Ein weiterer Artikel wird lauten: „Was und wie schicken wir unseren Gefangenen?“ Das sind nämlich Fragen, die mir aus den meisten Briefen entgegentönen. In allen meinen Beschreibungen werde ich eine leidenschaftlose Erzählung der Tatsachen beobachten, sowohl das Gute wie das Schlechte aufführen und mich von jeder Uebertreibung frei halten. Es bleibt so jedem Leser selbst überlassen, sich sein Urteil zu bilden.

I. Die Gefangennahme.

Bei Kriegsausbruch lehnten es die meisten neutralen Linien ab, Deutsche, Oesterreicher und Ungarn von New York nach Europa zu bringen. Dem deutschen Konsulat in New York war es somit unmöglich, die Reservisten, welche aus allen Gegenden der Vereinigten Staaten hier zusammengeströmt waren, um hinübergeschafft zu werden, um für ihr Vaterland zu kämpfen, heimzubefördern. Viele fuhren auf eigene Kosten mit italienischen Schiffen, und diese Armen sitzen wohl fast alle in Gibraltar gefangen. Dann lehnten auch die Italiener im eigensten Interesse der Passagiere Untertanen der Zentralmächte ab. Nun erschien in den amerikanischen Zeitungen eine Ankündigung der Holland-Amerika-Linie, Rotterdam, welche uns anfangs auch abgelehnt hatte, dass am 24. August der Dampfer „Nieuw Amsterdam“ direkt nach Rotterdam ginge, und dass dieses Schiff Deutsche und Oesterreicher befördere. Dieses Angebot war so verlockend für uns, dass über Too männliche Deutsche und Oesterreicher Passage belegten, grösstenteils Reservisten, aber auch Leute, welche keiner Militärpflicht mehr zu genügen hatten, teils waren sie zu alt, teils aber auch wegen gänzlicher Untauglichkeit ausgemustert. Zu letzteren gehörte auch ich. Also wir alle vertrauten uns mit grösster Zuversicht dem neutralen Schiff an. Hoch gingen die Wogen der Begeisterung bei unserer Abfahrt, morgens um 10 Uhr. „Heil Dir im Siegerkranz“, „Deutschland, Deutschland über alles“ Die Wacht am Rhein wurden von den Abfahrenden wie von vielen Landsleuten, welche sich am Quai versammelt hatten, begeistert abgesungen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass uns dieses Singen zum Verhängnis geworden ist, aber trotzdem möchte ich die Erinnerung an diese wunderbaren Augenblicke nicht missen. Vermögende Reservisten hatten ihre Barschaft mit Unbemittelten geteilt, um diesen die Ueberfahrt zu ermöglichen, und waren selbst dritter Klasse oder Zwischendeck gefahren.- Nach 2 Tagen Fahrt erhielt ein Passagier die drahtlose Nachricht, dass das vorletzte Schiff derselben Linie, die „Potsdam“ von den Engländern eingeschleppt sei. Dieser Herr machte dem Kapitän hiervon Mitteilung. Nach weiteren 3 Tagen erhielten wir von einem uns entgegenkommenden holländischen Schiff diese Mitteilung, welche uns durch Anschlag bekannt gegeben wurde. Hierauf fand eine Versammlung im Rauchzimmer der I. Klasse statt. Nach der Beratung baten wir den Kapitän hinzu, um ihm gemeinsam die Bitte vorzutragen, umzudrehen oder einen spanischen Hafen anzulaufen. Er hielt dieses jedoch für überflüssig und versicherte, uns durchzubringen. Viele wollten auf den uns entgegenkommenden Dampfer (ich glaube die „Rhyndam“) übersteigen. Auf eine drahtlose Anfrage wurde uns geantwortet, dass der Dampfer bis zur Fassungskraft gefüllt sei. Wenn auch das Umsteigen auf offenem Meer gefährlich ist, so hätten wir es doch einer bestimmten Gefangennahme vorgezogen, denn dass uns diese bevorstand, war uns allen wohl so ziemlich sicher. (Von der Behandlung auf der „Nieuw Amsterdam“ werde ich vielleicht später ausführlich erzählen).

Am 2. September um 5 Uhr erwachten wir von einem Kanonenschuss, eilten an Deck und sahen neben uns einen französischen Hilfskreuzer „La Savoie“ liegen, welcher uns bewaffnete Mannschaften an Bord sandte. Bis gegen 11 Uhr vormittags stoppten wir, alsdann drehte die „Nieuw Amsterdam“, um nach Brest zu fahren, die „Savoie“ immer voran. Gegen 10 Uhr wurden wir von Torpedobooten erreicht, welche uns unter fortwährendem Ableuchten nach Brest einschleppten, wo wir um 11 Uhr abends inmitten des Hafens Anker warfen. Der Kapitän versicherte uns noch abends, dass niemand von Bord käme.- Am nächsten Morgen erschienen mehrere höhere Offiziere, welche alle Passagiere der I. Klasse vornahmen, und sich, allerdings in sehr höflicher Weise, die Personalien geben liessen. Hierauf verliessen die Offiziere das Schiff. Auf unsere Frage, was geschehen würde, sagten sie, einen Befehl von Paris abwarten zu müssen. Dieser könne eventuell erst in einigen Tagen eintreffen. Wir waren deshalb nicht wenig verblüfft, als gegen 4 Uhr der Befehl herauskam: „Alle Deutschen, Oesterreicher und Ungarn zum Ausbooten in einer halben Stunde an Deck sein; es soll jeder nur soviel mitnehmen, wie er selbst tragen kann.“ Gleichzeitig kamen etwa noch 150 bewaffnete Matrosen an Bord, also jede Weigerung wäre gleichbedeutend mit Selbstmord gewesen. Wir mussten in Tender bezw. von diesen nachgezogene Kähne steigen, und schon beim Eintreten in diese wurden uns Messer, Waffen und Streichhölzer abgenommen. Viele meiner Leidensgenossen in der II. und III. Klasse behaupten, dass ihnen gesagt sei, es handele sich lediglich um ein Verhör an Land und nach diesem kämen alle zurück. Die Stimmung auf dieser Fahrt durch die wunderschöne Brester Bucht war noch ganz gut, wir hatten ja auch alle keine Ahnung, was uns bevorstand. Bei Dunkelwerden wurden wir in Le Fret gelandet und von einer Landsturm-Kompagnie Festungsartillerie in Empfang genommen. Nachdem alles ausgebootet war, wurden wir zu Vieren abgezählt. An einem Hause des Dorfes wurde Halt gemacht und mussten wir hier unser Gepäck einstellen, was später per Wagen nachgefahren werden sollte. Ein Ungar, welcher lange Jahre sich ein paar Tausend Dollar erarbeitet hatte und diese in seiner Handtasche aufbewahrte, wollte sein Gepäck nicht von sich geben. Bedauerlicherweise war niemand zugegen, der ihm den Befehl verdolmetschen konnte und ihm klarmachen, dass er sein Eigentum später wieder bekäme. Anstatt nun diesen Mann abzuführen, nahm ein Offizier seinen Revolver und schoss auf den Unglückseligen. Er stürzte zu Boden und abermals trat der Offizier hinzu und gab mehrere Schüsse auf ihn ab, bis er ihn vollends tot wusste. Da wir einen langen Zug bildeten und es stockfinster war, wussten die meisten nicht, was vor sich ging; wir sahen und hörten nur die Schüsse und dann das Aufschreien der gaffenden Bauernweiber. Jetzt wurden auch die Posten nervös, und nur dadurch, dass wir alle ruhig blieben, wurden weitere Bluttaten verhindert. Dann traten wir unseren 7 km Marsch nach Crozon an. Ein mehr als 60 Jahre alter Herr, ein Geistlicher aus Emden, brach unterwegs bewusstlos zusammen. Er wurde schliesslich, auf dem Gesicht liegend, auf einem Handwagen nach der Festung gefahren. Auch mir war es nach all der Aufregung unmöglich, lange in dem forschen Tempo zu marschieren. Ich rief dem Posten zu, dass ich krank sei und nicht mehr gehen könne. Man kannte kein Erbarmen; ich brach ebenfalls zusammen und wäre um ein Haar erschossen worden, wären nicht 2 Herren hinzugesprungen und hätten mich bis Crozon geführt. Schliesslich langten wir aber an, unterwegs vielfach auf das Gemeinste von der Bevölkerung beschimpft und bespuckt. Wir wurden mit je 60-68 Mann in eine vollständig dunkle Kasematte gesperrt, nachdem man uns vor dem Eintritt nochmals die Taschen durchsucht hatte und uns Zigarren und Zigaretten fortnahm. In meine Kasematte kamen 68 Mann; da wir nur 11 Schlafgestelle hatten, je 1 für 6 Mann (3 oben und 3 unten), so musste einer auf dem einzigen kleinen Tisch und ein anderer auf dem blossen Steinboden liegen. Auf unseren Schlafgestellen lag nur eine handdünne Schicht Stroh, an manchen Stellen auch nichts. Decken und Kissen gab es nicht. Gegen 1 Uhr nachts erschien ein Offizier mit gespanntem Revolver, gefolgt von einem Soldaten mit Laterne, der uns ein Stück trockenes Brot und Konservenfleisch in die Hand gab. Ausserdem wurde uns ein Eimer Wasser und ein kleines Tongefäss zum Trinken hingesetzt. Dann wurde unsere Tür verschlossen und wir verbrachten die erste Nacht unserer Gefangenschaft. Ob wohl jemand geschlafen hat? Am nächsten Morgen hatten wir Muse, uns unser Gefängnis zu betrachten, denn niemand kümmerte sich um uns. Der Raum war 14 m lang, 6 m breit, die etwas gewölbte Decke 3 m hoch. Es waren 2 Fenster vorhanden, welche auf einen ziemlich engen Hof führten. Vor die Fenster hatte man von aussen in handbreiten Abständen alte Eisenbahnschienen angeschlagen. Die Tür befand sich zwischen den beiden Fenstern und war fest verschlossen. An die Tür war ein Quartblatt geklebt, auf welchem in deutscher Sprache stand: „Nicht heraustreten, Lebensgefahr!“ An der Tür im Zimmer stand ein Holzgefäss von vielleicht 80 cm Durchmesser, ohne Griffe und ohne Deckel, welches uns als Nachtgeschirr gedient hatte. Wenn ich nun noch einen kleinen Ofen erwähne, der in der Mitte des Raumes stand, so habe ich das ganze Inventar aufgezählt. Gegen 12 Uhr wurde unsere Tür zuerst geöffnet; 5 Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr bewachten den Ausgang; ein Korporal trat zu uns herein. Auf unsere Bitte, uns auf den Abort führen zu lassen, bedeutete er uns ziemlich drastisch, dass niemand hinausdürfe, und dass der Kübel für jederlei Bedürfnisse diene. In einigen Stunden würden wir zu essen bekommen.

Dies war denn auch tatsächlich der Fall und zwar mussten 5 Mann von uns hinausgehen. Zwei bekamen je einen eisernen Topf Wassersuppe mit eingeschnittenem altem Brot und je einen eisernen Topf mit Bohnen. Der letzte kam mit einem Sack Brot. Ausserdem gab es wieder einen Eimer Wasser, und jeder erhielt einen Zinnlöffel. Dieser Zinnlöffel bildete auch drei Wochen hindurch unsere ganze Ausstattung. Am Nachmittage wurden wir auf den Hof geführt und wer sich als Offizier legitimieren konnte, musste heraustreten, während die andern wieder in der Kasematte eingeschlossen wurden. Abends wurde uns zum ersten Male erlaubt, unseren Kübel herauszutragen und zu leeren. Am nächsten Tage wurden wir morgens in einen Hof getrieben und je 2 und 2 mussten vor einen Offizier treten, während 2 Soldaten uns sämtliche Taschen untersuchten. Alle spitzen Gegenstände, sogar Schlüssel, selbst von einem ein silberner Zahnstocher, wurden als “gefährlich„abgenommen; jedoch durften wir Geld, wie sämtliche Schmucksachen behalten. Darauf wurden wir wieder eingeschlossen. Für die Folge gestaltete sich das Leben nun so, dass wir 2 mal am Tag Nahrung erhielten und zwar gegen 12 und gegen 6 Uhr. Da wir keine Teller hatten, mussten wir nacheinander aus den eisernen Schüsseln essen. Wir bekamen jetzt auch Fleisch und zwar 2 grosse Stücke. Da uns aber alle Messer abgenommen waren, musste das Fleisch mit den Händen auseinander gerissen werden, welche wir seit Tagen nicht mehr gewaschen hatten, da wir erst am Montag, also am 5. Tage unserer Gefangenschaft, zum ersten Male Gelegenheit hatten, uns zu waschen und zwar an einer Pumpe, welche die Aufschrift trug:“Gefährliches Wasser“. Dieses Wasser hatte einen Uebelkeit erregenden Geruch und war nach meiner Ansicht der Abfluss von Latrinen. Späterhin wurde uns das Fleisch geschnitten geliefert, musste aber stets aus der Hand gegessen werden. Irgendwelche Beleuchtung wurde nicht geliefert. Wenn es dunkel wurde, wurde es eben dunkel. Eine Reinigung des Raumes gab es nicht. Mit Strohbüscheln wischten wir den Steinboden auf, da sich durch das sich stets zermahlende Stroh und durch den von 68 Mann hineingetretenen Schmutz dicke Staubmengen bildeten, welche sich in allen Atmungsorganen festsetzten. Um diesen Staub etwas zu bekämpfen, opferten wir zum Sprengen einen Teil unseres Trinkwassers. Dieses war auch ekelhaft und übelschmeckend, da es zum grössten Teil in alten Segeltucheimern gereicht wurde. Morgenmahlzeiten, wie heissen Kaffee, gab es überhaupt nicht. 40 Minuten am Tage wurden wir hinausgelassen und in den Burggraben geführt, jedoch war es an einem Tage beispielsweise morgens um 7, während es am nächsten Tage erst nachmittags um 5 Uhr war, sodass wir manchmal hintereinander eingepfercht 34 Stunden in den vergitterten und verschlossenen halbdunklen Kasematten lagen. Man vergegenwärtige sich, was für eine Luft hier herrschte, da doch stets und ständig der volle Kübel, auch während des Essens, bei uns stand. Wir gingen abwechselnd an die offenen Fenster, um durch die Schienen hindurch etwas frische Luft zu kriegen. Nach circa 14 Tagen bekamen wir erst einen Deckel für den Kübel und Griffe zum Anfassen.

Der verehrte Leser wird entschuldigen, dass ich hier manches berührt habe, was nicht gerade ästhetisch ist, aber um der Oeffentlichkeit ein ungefähres Bild von den Qualen zu geben, welche wir in diesen 3 Wochen in Crozon durchzumachen hatten, waren diese Angaben notwendig. Es wäre vielleicht noch hinzu zu fügen, dass das Gepäck erst späterhin auf dem „Charles Martel“ ausgeliefert wurde, mit einigen wenigen Ausnahmen, welche nach 2 1/2 Wochen Gefangenschaft in Crozon unter strenger Aufsicht etwas Wäsche aus ihren Koffern nehmen durften. Wir sind die ganze Zeit in Crozon nicht aus unseren Kleidern herausgewesen, haben, ausser einigen Kranken, weder Decke noch Kissen gehabt, und konnten nicht einmal die Wäsche wechseln. Da die meisten aus den heissen Ländern Amerikas kamen, so froren sie ganz entsetzlich in den schon kühlen Nächten. Eine Woche nach unserer Einlieferung errichtete man in einem Hof der Festung ein Zelt, in welchem wir für teures Geld einige Lebensmittel, wie Brot, Wein, Bier, Eier, Obst und Sardinen, ausserdem Handtücher und Seife kaufen konnten.

Da wir fast alle nur amerikanisches Geld führten, so waren wir gezwungen, uns das Geld in französisches umwechseln zu lassen. Dieses Geschäft übernahm dann mit Erlaubnis des Kommandanten ein Kanonier, und dieser Ehrenmann hat uns nach allen Regeln der Kunst ausgesogen. Um den Mann vor aller Welt zu brandmarken, dessen Wucher besonders die armen Auswanderer schädigte, von welchen wir ca. 200 unter uns hatten, gebe ich seinen vollen Namen wieder: "Gaston Dambrung, Villa Monplaisir, Pornichet (Lre Infre). Für einen Papierdollar gab er durchschnittlich 3 frs. 50, für ein Zwanzigmarkstück 18 frs. 50. Für einen Hundertmarkschein hat er einem Berliner Herrn, der als Mitglied des Roten Kreuzes bald freigekommen ist, 20 frs. geboten. Silbergeld wurde überhaupt nicht genommen. Da wir alle nur gegen französisches Geld in der Kantine etwas bekamen, so waren wir auf diesen Wucherer angewiesen, der, da auch sehr viele reiche Leute unter uns waren, ein glänzendes Geschäft gemacht hat.- Am 23. September kam der Befehl, dass wir mittags auf ein Schiff kämen. Was man mit uns machen wollte, wussten wir natürlich nicht; jedoch befürchteten wir alle, dass es jetzt nach Afrika ginge. Hiermit wäre der Abschnitt Crozon erledigt. Ich möchte diesen jedoch nicht abschliessen, ohne den Oberleutnant de Groot erwähnt zu haben, welcher uns stets in der liebenswürdigsten Weise begegnet ist, und alles, was in seinen Kräften stand, für uns getan hat, im Unterschiede zu den meisten anderen Offizieren, welche ein Vergnügen daran gefunden hatten, uns zu quälen und für die geringfügigsten Ursachen, und manchmal auch ohne Anlass, Gefängnisstrafen und Stubenarreste verhängt haben. So wurde beispielsweise 1 Zimmer 8 Tage lang eingesperrt, da der Offizier bei einer Revision festgestellt haben wollte, dass jemand von einem Stück Draht, mit welchem die Eisenbahnschienen befestigt waren, ein Stück abgedreht hatte. Unser Zimmer erhielt beispielsweise 4 Tage Stubenarrest, weil einer von uns auf dem Hofe gelacht hatte. Der Betreffende wurde 3 Tage in Einzelhaft abgeführt. Aehnlich ist es auch anderen Gruppen ergangen. Gott sei Dank haben sich die Verhältnisse nach und nach wesentlich besser gestaltet, aber was die Franzosen diese 3 Wochen lang an uns gesündigt haben, werden wir ihnen nie vergessen können.

Auf dem Kreuzer „Charles Martel“

Am Mittag des 23. Septembers traten wir den Rückmarsch nach Le Fret an, um von da auf den alten Kreuzer „Charles Martel“ hinübergebootet zu werden. Es war dieses ein uraltes Schiff, welches schon zum Abbruch bestimmt war, jetzt jedoch in den Brester Kriegshafen hineingeschleppt, um uns darauf zu internieren, denn man war sich wohl mittlerweile höheren Ortes darüber klar geworden, dass wir unter diesen Umständen in Crozon nicht länger hätten durchhalten können. Die Fahrt durch die Bucht war uns schon eine Erholung und Abwechselung gewesen, sodass wir recht vergnügt auf dem „Charles Martel“ anlangten. Wenn das Schiff auch vollständig ausgeräumt war, sodass sich weder Stuhl noch Tisch auf dem ganzen Schiffe befand, so war unsere Lage doch mit einem Schlage eine ganz andere geworden, denn vor allen Dingen hatten wir frische Luft so viel wir wollten und die Bemannung, welche natürlich Marine war, kam uns ganz wohlwollend entgegen. Wir blieben in Gruppen zusammen, wie wir in Crozon im Zimmer bei einander waren. Jede Gruppe hatte sich ihren Gruppenführer gewählt, und diese wieder verhandelten mit den französischen Vorgesetzten. Jeder Mann erhielt eine Hängematte, 2 Decken, einen Blechteller, Löffel und Gabel. Jede Gruppe erhielt einen Raum angewiesen, und der Einzelne suchte sich nun einen Platz, so gut er ihn eben finden konnte. Wählerisch durfte man gerade nicht sein. In den Gängen, Batterien, auf den Treppenstufen, auf dem Fussboden lagen oder hingen die Gefangenen. An Ratten und Flöhen war kein Mangel. Am nächsten Morgen gab es in der Frühe heissen, schwarzen Kaffee, gesüsst und ein Stück Brot. Mittags gab es ein wohlschmeckendes Essen, bestehend ans Suppe, Fleisch und Makkaroni, dazu wieder ein Stück Brot und abends ähnliches. Das Essen blieb auch in der Folge in der Art, nur dass das Fleisch mit Stockfisch abwechselte und Makkaroni mit Erbsen, Bohnen oder Reis. Ab und zu gab es mal Käse, Kakes oder ähnliches als Nachtisch. Wenn unser Leben auch nicht gerade komfortabel oder luxuriös war, so kamen wir uns doch mit der Erinnerung an Crozon wie im Himmel vor. Dazu hatten wir noch das grosse Glück, bis in den November hinein schönes Wetter zu haben, sodass wir uns grösstenteils an Deck aufhalten konnten. Um 6 Uhr wurde aufgestanden, um 1/2 9 Uhr zu Bett gegangen. Die Zeiten wurden durch Trompetensignale bekannt gegeben. Hier in dem Kriegshafen hatte das Auge doch auch etwas Abwechselung. Kriegsschiffe kamen und gingen, wurden beladen etc. etc. Wenn es auch oft ein komisches Gefühl war, ein Kriegsschiff zum Kampf gegen unsere Brüder ausfahren zu sehen, so waren wir doch wenigstens aus der schrecklichen Eintönigkeit herausgerissen, die uns in der Festung fast verrückt gemacht hatte, da wir auch nicht das Geringste zum Lesen hatten. Mittlerweile war auch der Briefverkehr mit der Heimat eingeleitet, und Mitte Oktober kam die erste Post aus Deutschland. Wenn Briefe zu der Zeit auch oft 4-5 Wochen gingen, so war es doch stets ein Glückstag, wenn man mal etwas aus der Heimat hörte. Die für unsere Unterhaltung und Verpflegung notwendigen Arbeitsleistungen, wie Wasserpumpen, Proviant- und Kohlentragen, Deckwaschen etc. mussten natürlich von uns gemacht werden. Zeitungen bekamen wir auch hier nicht. Wir waren also über die Kriegslage ziemlich im Dunkeln, was uns natürlich ein sehr quälendes Gefühl war. Anfang November kamen verwundete deutsche Soldaten, welche in Brest aus dem Hospital entlassen waren, zu uns, und von diesen erhielten wir also die ersten massgebenden Nachrichten seit unserer Abfahrt aus Amerika. Man kann sich vorstellen, wie glücklich die Soldaten waren, nach längerem Aufenthalt im Lazarett wieder unter Landsleuten zu sein, die sich ihrer mit Freuden annahmen und sie mit Hilfe der Kantine und ihres Gepäcks aussteuerten, da man ihnen bei der Entlassung aus dem Hospital nichts gegeben hatte, als ihre beschädigte Uniform. Vielen fehlte die Kopfbedeckung; anderen wieder Stiefel, eine grosse Anzahl kam ohne Hemd und einer kam sogar ohne Hose an. Allen Soldaten waren die Knöpfe abgeschnitten, welche sich die Franzosen als „Souvenir“ aufbewahrten. Nach “Souvenirs" von deutschen Soldaten sind die Franzosen aller Kreise wie toll. Als grösste Trophäe gilt ein Helm mit der beliebten Pickel.

Kreuzer „Charles Martel“

Jeden Morgen um 10 Uhr kam ein Arzt zu Visite, welcher für uns sehr wenig Interesse hatte. Mit den hygienischen Vorkehrungen und mit dem Waschen war es auch sehr primitiv. Allerdings wurden alle gegen schwatze Pocken geimpft. Das Wasser war immer sehr knapp; aber im grossen und ganzen war der Aufenthalt auf diesem Schiff doch recht erträglich, und mit aufrichtigem Bedauern vernahmen wir so Anfang November die Kunde, dass wir auf eine benachbarte Insel kommen sollten, auf welcher Baracken aufgeschlagen würden. Inzwischen war die Gefangenenzahl unseres Lagers mehrmals angewachsen durch Soldaten und Reisende, welche man auf der Reise von oder nach Amerika von den Schiffen geholt hatte. In den ersten Tagen des Novembers kamen die ersten 4 Gruppen nach der “Ile Longue„, dann nach und nach die anderen, bis am 24. November der Rest auf der“Ile Longue„abgesetzt wurde. 7 Mann von uns, Kranke bezw. Leidende, kamen in das Lazarett“Ile Trébéron". Diese Insel, auf welcher ich fast 5 Monate war, möchte ich jetzt beschreiben.

Die „Ile Trébéron“

ist eine ganz kleine Insel, welche neben der „Ile Longue“ in der Bucht von Brest liegt. Nach meiner Schätzung mag die Insel 500 m lang und 300 m breit sein. Hierauf befinden sich ausser einigen kleinen Schuppen 3 Häuser: das Verwaltungsgebäude, eine lange Baracke und das Unteroffiziershaus. In der Baracke waren ca. 160 weiße und farbige Franzosen aller Waffengattungen untergebracht, welche an Haut- oder Geschlechtskrankheiten litten, grösstenteils an Syphilis. Wir hingegen waren, von diesen getrennt, in dem Unteroffiziershaus einquartiert und hatten hinter diesem Haus einen Spazierweg von ca. 15 m Länge. Andere Teile der Insel durften wir nicht betreten. Später wurde uns auch das Begehen eines Gärtchens erlaubt, welches von dem Pflegepersonal (Marine) angelegt war. Die Bewegungsfreiheit ist also kolossal beschränkt. Die hygienischen Einrichtungen sind bedauerlicherweise sehr schlecht. Die blutigen und eitrigen Verbandwatten werden einfach an den Strand geworfen, und es bleibt dem Meere überlassen, diese ebenso ekelhaften wie gefährlichen Sachen fortzutragen. Die Gebäude sind 1857 erbaut, um als Quarantänestation für Pest zu dienen. Badegelegenheit, worauf in unseren Lägern so besonders gesehen wird, ist auch hier nicht. Ca. alle 3 Wochen hat man Gelegenheit sich in einem Waschraum einer Kübeldouche, in welchen man warmes Wasser einfüllen kann, zu bedienen, wobei man sich, namentlich im Winter, jedoch sehr leicht erkälten kann. Die Sauberkeit ist sonst leicht befriedigend. Auch ist es hier gänzlich frei von Ungeziefern. Die Verpflegung, die wir dort erhielten, war recht gut; wir bekamen stets das gleiche wie die französischen Soldaten. Die ärztliche Behandlung ist zwar recht wohlwollend, aber nicht gerade sehr gewissenhaft. Immerhin verdanke ich es der Verwendung des Arztes, dass ich nach so langer Zeit meine Freiheit wiedererlangt habe. Der Kommandant der Insel, welcher auch gleichzeitig Chefarzt ist, führt ein eisernes Regiment. Manches in seinen Anordnungen war mir denn doch unverständlich. Beispielsweise hat er uns, kranken Leuten, verboten, sich irgendwelche Lebensmittel, Obst, Schokolade, Käse etc. mitbringen zu lassen, während man auf der „Ile Longue“ sowohl als auch in den Lazaretten von Brest vieles kaufen darf. Wir hatten 2 Herren unter uns, die über 50 Jahre alt waren. Auch diesen hatte er verboten, sich Butter zu kaufen, auch Obst verweigert, was diese Herren seit Jahren zur besseren Verdauung gegessen hatten. Das war sicher eine Strenge, die ganz und gar nicht nötig war. Er erklärte dieses als eine Vergeltungsmassregel (?). Das Unlogischste an dieser Verordnung war jedenfalls, dass man sich aus Deutschland alle diese Sachen schicken lassen durfte, mit anderen Worten: hat er also nur seine Landsleute um den Verdienst gebracht. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Folgendes ganz besonders hervorheben, wodurch ich erreichen möchte, dass vielleicht noch einige andere auch in Freiheit gesetzt würden. In dem Gefangenenlager von Brest, (teils im Lager, teils auf Trébéron), befinden sich noch ca. 5 Herren, welche chronisch krank sind, sei es Zucker-, Herz-, Lungen- oder Nierenkrank und welche seit Anfang der Gefangenschaft sich in ärztlicher Behandlung resp. im Hospital befinden. Nach Ausspruch der französischen Ärzte sind diese Leute allerdings unfähig jemals ins Feld zu ziehen, aber man nimmt an, dass sie vielleicht noch als Schreiber irgendwie zu verwenden wären. Es ist doch tatsächlich unbarmherzig und unverständlich, dass man diese Leute, die teilweise sogar den gelben Ausmusterungsschein besitzen, und dem Landsturmalter längst entwachsen, nicht freilässt. Wäre da im Austauschwege nicht etwas zu machen, damit diesen Leuten in Deutschland ihre notwendige Pflege werde?

Île Trébéron
(Aufnahme von 2014)

Der Post- und Paketdienst ist ebenso wie auf der „Ile Longue“, worauf ich in einem späteren Teil ausführlich zurückkomme. Ich möchte an dieser Stelle dankend erwähnen, dass die Behandlung, die mir dort zuteil geworden ist, eine äusserst wohlwollende war. Besonders möchte ich auch des Krankenwärters gedenken, der trotz der Hetzereien seiner Kameraden uns stets mit grosser Menschenliebe und Aufopferung, lediglich als Kranke und nicht als Gefangene behandelt hat, dabei streng dienstlich und unbestechlich. Dieses braven und edlen Mannes werden ich wie auch alle, die mit ihm zusammen waren, zeitlebens gedenken.- Wie ich vorhin schon angedeutet hatte, haben die Ärzte auf Trébéron in Paris ein Gesuch um meine Freilassung eingereicht. Bis zur Erfüllung dieses Gesuches verbrachte ich 2 Monate bangen Wartens. Endlich hiess es, man habe in Paris eingewilligt mich heimzuschicken. Ich wurde von einem Gendarm nach Brest gebracht; im Hafen von Brest holte mich der allen Gefangenen in den Brester Lägern überstellte Commandant d’Argenteré, ein äusserst vornehmer und edelgesinnter Herr, in seinem Automobil ab, und brachte mich in das „Hopital Arsenal“ und das hatte folgende Bewandtnis. Wie mir der Commandant erzählte, war von Paris der Auftrag gekommen,mich per Schiff nach Holland zu schicken. Da aber gerade an dem Tage meiner Überführung nach Brest die betr. Holländer Linie der Unterseebootgefahr wegen die Fahrten eingestellt hatte, was mir garnicht unangenehm war, so musste erst ein neues Gesuch eingereicht werden, um die Erlaubnis zu erwirken, mich unter Gendarmeriebegleitung per Bahn nach der Schweiz abzuschieben, und zwar auf meine Kosten. Auf diese Weise hatte ich also Gelegenheit auch noch

das „Hopital Arsenal“ in Brest

kennen zu lernen. Es ist dieses ein im 18. Jahrhundert erbautes Zuchthaus, welches an einem Wasserarm des Kriegshafens gelegen ist. Seit ca. 50 Jahren waren keine Gefangenen mehr darin; es wurde lediglich zur Aufbewahrung von Tauwerk für die Marine benutzt. Bei Kriegsausbruch wurden die riesigen Arbeitssäle zu einem Hospital hergerichtet, welches viele Hunderte Verwundeter aufnehmen kann. Die unteren Säle dienen französischen Soldaten, die oberen den deutschen, und hier hinein wurden im September 250 verwundete Deutsche gebracht, welche in dem Hospital von Lissy gefangen worden waren. Die ersten von diesen hatte ich schon bei der Beschreibung des „Charles Martel“ erwähnt. Anfang Mai lagen hier noch ca. 25, welche hier ihrer Genesung entgegen sahen. Ausserdem in einem Extrazimmer 3 Offiziere. Unteroffizieren und Feldwebeln war es erlaubt, ihre Offiziere zu besuchen. Von den 250 Soldaten waren die meisten als geheilt auf „Ile Longue“, die Amputierten ausgetauscht und einige ihren Verletzungen erlegen.

Brest - Marine Hospital
Saal der deutschen Verwundeten, aus: Marval, Carle: Die Kriegsgefangenenlager in Frankreich, Corsica, Algerien und ..., 1915

Die Soldaten erzählten mir übereinstimmend, dass die Behandlung durch das Pflegepersonal in der ersten Zeit schlecht und unfreundlich, die Verpflegung viel zu knapp gewesen sei. Über die ärztliche Behandlung hörte ich durchschnittlich Gutes. Zu meiner Zeit war das Essen als gut bürgerlich zu bezeichnen. Offiziere und Mannschafften hatten dieselbe Verpflegung, und war in diesem Punkte eine übereinstimmende Zufriedenheit. Inzwischen war auch das Pflegepersonal, wenn auch ziemlich träge, so doch freundlich und kameradschaftlich geworden, die Ärzte von grosser Liebenswürdigkeit. Auch über die Reinlichkeit war nicht zu klagen, allerdings Badegelegenheit war auch hier nicht. Den Genuss eines Wannenbades habe ich während meiner ganzen Gefangenschaft entbehren müssen. Die einzelnen Säle hatten ca. 80 Pritschen. Die Pritsche bestand aus einem Holzrahmen mit Segeltuch überspannt. Hierauf lag ein Sack mit Sägespähnen oder mit Pressstroh, eine Kopfrolle, 2 Bettlaken und 2 gute wollene Decken. Das Bettzeug wird alle 4 Wochen gewechselt, die Hemden alle 8 Tage (wie auf Tébéron). In die an sich sehr kalten Säle waren je 2 grosse Dauerbrandöfen gebaut, welche bis Ende April Tag und Nacht geheizt wurden.- Das Geld ist den Soldaten abgenommen worden und befindet sich in der Kasse des Verwalters, welcher hierüber genau Buch führt. Einmal in der Woche kann man sich in der Stadt alles ausser alkoholischen Getränken zu Originalpreisen besorgen lassen, und zwar wird es in der Weise gehandhabt, dass man der Wache einen Zettel gibt, nach welchem eingekauft wird, und nach welchem der Verwalter die Eintragung für die Kontokorrente macht, also auch das Geld, was man dahin schickt, wird den Soldaten nicht ausgeliefert, sondern in absolut ehrlicher Weise ihrem Kontokorrent gutgebracht. Einlaufende Post wird ein-, manchmal auch zweimal täglich verteilt. Pakete werden von Zeit zu Zeit ausgegeben, jedoch vorher vom Oberarzt oder Oberkrankenwärter untersucht. Im übrigen gelten auch hier die allgemeinen Postbestimmungen, auf welche ich später noch zu sprechen komme.

Ein Übelstand in diesem Hospital, dem jedoch leicht abzuhelfen wäre, sind die Spazierplätze. Morgens von 1/2 10 bis 1/2 11 und nachmittags von 1/2 2 bis 1/2 4 werden die Deutschen auf den schlecht gepflasterten Hof dieses alten Zuchthauses geführt. An einer Stelle sind ein paar schmale Bänke aufgestellt; man sieht hier weiter nichts als graue, schmutzige Mauern und ein ganz kleines Stück Himmel. Ausserdem ist direkt neben diesem Ruheplatz das „Dépot d’ordures“, ins Deutsche schwer zu übersetzen, denn in Deutschland würde das ganz unmöglich sein, derartigen Unrat auf einen Hof zu legen, der viel begangen wird und ausserdem unmittelbar neben Verwundete, welche sich diese wenigen Minuten in der frischen Luft erholen sollen. Wenn diesem Übelstande abgeholfen ist, so darf man diesem Hospital das Prädikat gut ausstellen. Von hier aus trat ich meinen Weg in die Freiheit an. Hier hatte ich auch Gelegenheit gehabt mich über das

Chateau d’Anne in Brest

und über das Schicksal der Offiziere, welche mit mir gleichzeitig gefangen worden sind, und, wie ich schon erzählt habe, in Crozon von uns getrennt wurden, zu erkundigen. Man hatte unsere und auch einige österreich-ungarische Offiziere am 4. September in das Strafgefängnis von Brest gebracht. Hierselbst brachten sie, durchschnittlich 8 in einer Zelle, 3 Tage zu. Man war auf diese Vermehrung von ca. 40 Mann nicht eingerichtet gewesen, und erhielten sie denn auch erst am nächsten Tage und zwar nur für eigene Rechnung etwas zu essen und zu rauchen. Die Mahlzeiten haben sie mit den Sträflingen gemeinsam eingenommen. Dann wurden sie, unterwegs von der Bevölkerung heftig beschimpft und bespuckt, unter Gendarmeriebegleitung in das Chateau d’Anne gebracht. Dieses ist ein uraltes kleines Schloss mit dicken Wänden, welches sicher viele hundert Jahre alt ist, unmittelbar am Kriegshafen gelegen. Zuerst hatten die Offiziere zu ihrer Ausstattung weiter nichts als einen Strohsack und im ganzen 2 Stalllaternen. Zeitungen gab es nicht. Das Essen musste mit 4 frs. 50 täglich bezahlt werden. Nach und nach erlaubte man ihnen, sich Gebrauchsgegenstände wie Tische, Stühle, Kissen etc. etc. anzuschaffen, jedoch unter der Bedingung, dass sie 5% dem französischen Roten Kreuz zahlen mussten. Unbemittelte können gratis Mannschaftskost bekommen. Nach und nach haben sich auch hier die Verhältnisse bedeutend gebessert. Die Offiziere haben zu ihrer Unterhaltung allerlei Spiele, haben aus Deutschland Lektüre erhalten und zu ihrer Bedienung einige deutsche Soldaten. Seit längerer Zeit ist ihnen auch gestattet, sich französische Zeitungen zu halten. Jedoch sind auch hier noch 2 grosse Übelstände: einmal eine ziemliche Feuchtigkeit und dann die knappe Bewegungsfreiheit. Die Offiziere haben für ihre Spaziergänge nur einen kleinen Hof, und ausserdem ist es ihnen gestattet, auf die Plattform des kleinen Turmes zu gehen. Die persönliche Behandlung soll gut sein. Die Postvorschriften auch hier die gleichen.

Als letztes Lager werde ich nun die

„Ile Longue“

beschreiben.

Der verehrliche Leser wird noch wissen, dass ich, während alle meine Mitgefangenen auf die „Ile Longue“ kamen, mit noch 6 anderen Leidensgenossen auf die „Ile Trébéron“ gebracht wurde, ich also nur in unmittelbarer Nachbarschaft dieser Insel gewesen bin, Da von Zeit zu Zeit Kranke zum Auskurieren nach Trébéron geschickt wurden, so war ich über die Verhältnisse und Vorgänge in diesem grossen Lager sehr gut unterrichtet, sodass ich in der Lage bin, Interessenten ein anschauliches Bild des Lebens und Treibens zu geben.

Lager Île Longue
aus Marval, Carle: Die Kriegsgefangenenlager in Frankreich, Corsica, Algerien und ..., 1915

Die „Ile Longue“ ist eine Landzunge, welche sich in die Bucht von Brest hineinschiebt. Fast am Ende dieser 3 km langen Zunge erhebt sich die Barackenstadt, denn diese Bezeichnung verdient das Lager wohl heute. Als die ersten 250 Mann auf die Insel kamen, waren durch französische Handwerker schon so viele Baracken gebaut, dass die ersten Gefangenen darin Unterschlupf fanden. Alsdann mussten die Gefangenen unter sachkundiger Leitung den Barackenbau fortsetzen, bis nach und nach alle auf der Insel waren und nun begann die obligatorische Arbeit. Ein Teil unserer Landsleute musste Baracken bauen, einige die Bretter hierzu herantragen, andre machten Strassenbauten, wieder andere sind im Steinbruch beschäftigt, während ein weiterer Teil am Bau einer Wasserleitung arbeitet. Den Gruppen wurde für je 60 Mann eine Baracke angewiesen. An beiden Seiten der Baracke zieht sich die Schlafpritsche entlang, auf welcher nebeneinander je 30 Mann lagen. Die Baracke hat mehrere Fenster und 2 Türen. Ein Fussboden liegt nur in der Mitte des Raumes. Im Dezember wurde je ein Ofen in die Baracken gesetzt. Jeder Gefangene hatte einen Strohsack, eine sehr kurze und dünne Decke, Besteck und Essnapf. Inzwischen haben sich aber auch hier die Verhältnisse wesentlich gebessert. Wie ich soeben höre, wohnen jetzt nur 40 Mann in einer Baracke. Inzwischen sind die dünnen Decken durch bessere ersetzt; durch hinzugekaufte Petroleumlampen ist auch abends die Beleuchtung ausreichend, und jeder hat sich ganz nach seinen Vermögensverhältnissen die erwünschten Sachen aus der Heimat schicken lassen. Es befindet sich dort eine Kantine, welche zweimal am Tag geöffnet ist, und wo den Gefangenen Bier, das Glas mit 15 Centimes, ausserdem einige Lebensmittel, vor allem Butter, dann aber auch kleine Bedarfsartikel verkauft werden. Ausserdem gibt es eine Bude für Zigarren, Zigaretten und Tabak. Mehrere deutsche Friseure finden drüben ausreichende Beschäftigung. Die Minderbemittelten haben von der Regierung Holzschuhe und Kleidungsstücke erhalten, und auch das Rote Kreuz hat in der Zeit viel an brauchbaren Gegenständen geschickt. Die Wohltätigkeit und Kameradschaftlichkeit unter den Gefangenen ist sehr gross, Mittlerweile haben sich ja auch die Leute zusammengefunden, die zueinander passen, und man hat sich in sein Schicksal ergeben. Nach und nach sind eine Unmenge deutscher Bücher drüben angekommen, welche von einem Bibliothekar verwaltet werden, sodass an Lesestoff kein Mangel sein wird. Um das ganze Barackenlager herum ist ein Drahtzaun, und die Wachen gehen ausserhalb dieser Umzäunung. Um 6 Uhr morgens wird aufgestanden und um 9 Uhr zu Bett gegangen. Ich käme jetzt auf die Verpflegung zu sprechen. Hierüber gehen die Ansichten der Gefangenen, die ich „ohne Zensur“ gesprochen habe, ziemlich auseinander. Das ist ja auch nicht zu verwundern, wenn man sich vergegenwärtigt, in welch verschiedenen sozialen Verhältnissen die Gefangenen sonst leben, und dass ein Arbeiter sich leichter mit der Verpflegung befreunden kann als ein wohlbegüterter Kaufmann oder Akademiker, ist wohl begreiflich. Ganz gutes Brot ist genügend vorhanden; ein jeder weiss wohl, dass ein Franzose zu jeder Mahlzeit sehr viel Brot isst. Je 120 Mann haben zusammen eine Küche, und für diese Küche sind von diesen 6 Mann abkommandiert, welche den Kaffee und das Essen zubereiten. Das Feuerungsmaterial, die Lebensmittel etc. werden von der Regierung geliefert. Durch Sammlungen untereinander und durch Zuwendungen aus den eingetroffenen Paketen werden die Mahlzeiten oft verbessert. Es gibt morgens um 7 Uhr Kaffee und Brot, gegen 11 Uhr ein Mittagessen mit 125 gr. Fleisch pro Person, und dann gegen 5 Uhr ein Abendessen mit der gleichen Fleischportion 2-3mal die Woche gibt es den nicht allzubeliebten Stockfisch; sonst wechseln Erbsen, Bohnen, Reis, und ähnliches miteinander ab. Nach allem Gehörten habe ich den Eindruck, dass, wenn das Essen auch nicht allzu delikat und abwechslungsreich ist, es doch immerhin den Wert hat, dass es den Gefangenen, selbst wenn er nichts von zu Hause bekommen sollte, und sich nichts kaufen kann, ernähren würde. Wer nun von zu Hause ausreichend Pakete bekommt, vielleicht jede Woche mindestens ein 5 Kilo Paket, und wer ausserdem noch über einiges Geld verfügt, der wird die Zeit dieser Gefangenschaft gut überstehen können. Viele besitzen kleine Kochapparate, auf welchen sie sich ein Nachmittagsgetränk bereiten, und mit Hilfe ihrer Pakete eine Mahlzeit gegen 2 Uhr einzuschieben. Im allgemeinen haben die Gefangenen die leichten Arbeiten, zu welchen sie herangezogen waren, ganz gern verrichtet, denn es war ihnen doch immerhin ein Zeitvertreib. Ältere und schwächliche Leute sind von der Arbeit befreit. Zu überarbeiten brauchte sich niemand. Es wurde auch nur an einigen Stunden des Tages geschafft. Sonntags ruhte die Arbeit. Mehrere französische Zeitungen werden täglich im Lager verkauft, sodass unsere Landsleute sich im grossen und ganzen ein Bild über die Kriegslage machen können. Sie sind deshalb über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz besser informiert, als hier allgemein angenommen wird. Verblüffen lassen sie sich durch die franz. Schönfärberei sicher nicht. Die Stimmung im Lager ist gut. Man ist zuversichtlich, wenngleich man auch ein baldiges Ende des Krieges herbeisehnt. Die Behandlung durch die Offiziere und Wachmannschaften ist recht wohlwollend. Beispielsweise wurden am 24. Dezember an 600 eingetroffene Pakete noch nachmittags durchgesehen und an die Eigentümer verteilt. Auch durften die Gefangenen Heiligabend und Sylvester bis 1 Uhr aufbleiben, sodass man sagen kann, sie haben die Feiertage so gut, wie es unter diesen Umständen möglich war, verlebt. Ausserdem hatte man ihnen auch Tannenbäume verschafft. Die eingetroffene Post wird durchschnittlich einmal am Tage verteilt. Pakete kommen im Originalzustand einmal die Woche auf der Insel an und werden im Verlauf der Woche an die Gefangenen abgegeben. Selbstverständlich werden diese geöffnet und durchgesehen, wie das auch in Deutschland der Fall ist. Wenn es auch vorkommt, dass Pakete auf dem Transport beraubt werden, so kann man doch sagen, dass im allgemeinen die Paketbeförderung jetzt gut ist. Ein Paket geht durchschnittlich 3 Wochen, mal länger, mal kürzere Zeit. Briefpakete wolle man möglichst nicht schicken. Die Briefe gehen durchschnittlich 14 Tage und werden von der Zensur sehr sorgfältig gelesen. Im allgemeinen ist die Zensur wohlwollend. Was ihr natürlich nicht passt, schneidet sie aus oder lackiert sie über. In den Brester Lägern hat jeder Gefangene, übereinstimmend mit den deutschen Lägern, das Recht, 4 mal im Monat eine Postkarte und 2 mal im Monat einen Brief von 4 Seiten Länge (Offiziere 6 Seiten) zu schreiben. Diese Briefe werden ebenfalls einer sehr genauen Durchsicht unter zogen, ehe sie nach Deutschland resp. Österreich gehen. Der Telegrammverkehr nach und von den Gefangenenlagern, ist ungefähr seit Mitte April aufgehoben. Recht primitiv waren bisher die Waschgelegenheiten, da das Wasser in einem Wagen von ziemlich weit bergeholt wird. Das Trinkwasser ist jedoch untersucht und als keimfrei befunden. Mit Fertigstellung der Wasserleitung werden auch wohl die Waschverhältnisse besser werden. Jetzt im Sommer wird auch Badegelegenheit sein, nämlich im Meer.

Es ist den Gefangenen gestattet Sport zu treiben und sind ihnen auch sonst allerlei Freiheiten gewährt. Erkrankte finden in einem kleinen steinernen Festungsgebäude, welches ca. 5 Minuten von dem Lager entfernt ist, Aufnahme. Es befinden sich hier 25 Betten, und liegt die Verwaltung in den Händen eines deutschen Lehrers, welcher seine Mission in aufopfernder Weise ausführt. Der Arzt, welcher jeden Vormittag zur Visite kommt, ist bei den Gefangenen sehr beliebt. Bei ernsteren Krankheitsfällen, bei welchen eine besondere Behandlung notwendig ist, kommen die Kranken entweder auf die Insel „Trébéron“ oder nach Brest ins Hospital. Behandlung wie Medikamente sind für jedermann kostenfrei. In den Krankenzimmern auf „Ile Longue“ werden aus den Überschüssen der Kantine allerlei Anschaffungen gemacht. So hat man dort auch eine Badewanne gekauft, und damals war man gerade daran, eine Extraküche für Extraverpflegung Erkrankter einzurichten.

Meine Ausführungen möchte ich darin zusammen fassen, dass man mit der Lage auf „Ile Longue“ zufrieden sein und vor allen Dingen die Beruhigung in sich aufnehmen kann, dass jeder der dortigen Gefangenen nach Beendigung des Krieges, ohne Schaden an Körper und Seele genommen zu haben, wiederkommen wird. Mögen sie bald alle zurückkehren in ein siegreiches Deutschland, in ein siegreiches Österreich-Ungarn!