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le camp d'internement 1914-1919
Le camp d’internés 1914-1919

Dieser Internet-Auftritt verfolgt das Ziel, möglichst viele Informationen über das Internierungslager auf der Ile Longue zusammenzustellen, damit Historiker und Nachkommen der Internierten sich ein Bild von den Realitäten dieses bisher wenig bekannten Lagers machen können - nicht zuletzt auch, um die bedeutenden kulturellen Leistungen der Lagerinsassen zu würdigen.

Le but de ce site est de prendre contact avec les familles des prisonniers allemands, autrichiens, hongrois, ottomans, alsaciens-lorrains... qui ont été internés, pendant la Première Guerre mondiale, dans le camp de l’Ile Longue (Finistère).

Waschen - Duschen – Wäschewaschen und –trocknen
On-line gesetzt am 10. Januar 2019
zuletzt geändert am 9. Januar 2019

von Gérard
Waschräume, Duschen, Waschküchen und Baracke zum Wäschetrocknen

Hygiene ist einer der wichtigsten Aspekte, wenn viele Menschen auf wenig Raum zusammengedrängt sind. Zur Hygiene gehören das regelmäßige Waschen oder Duschen, aber auch das Waschen der Wäsche und anderer Textilien. Auf Île Longue gibt es Waschräume in extra dafür vorgesehenen Baracken, eine Baracke mit Duschen, zwei offene Baracken zum Wäschewaschen und eine überdachte Fläche zum Wäschetrocknen.

Waschräume

Elf Baracken mit je einem Waschraum sind zwischen den beiden Zeilen der Küchenbaracken angeordnet. Zehn Baracken haben je eine Länge von 8,50 m und eine Breite von 3,25 m. Die elfte ist nur etwa halb so lang bei gleicher Breite und nicht in Betrieb. Die Baracken haben einen Zementboden.

In jedem Waschraum sind eine Doppelmulde auf einem Eisengestell und darüber 25 Wasserhähne installiert. Außerhalb jeweils am südlichen Ende einer Waschbaracke steht ein Holzgerüst mit einem Wassertank mit einer Kapazität von 500 Litern. Von hier werden die Wasserhähne in den Baracken versorgt. Die Tanks erhalten ihr Wasser entweder aus dem Wasserturm am Südende des Lagers oder aus einer der Zisternen. Die Leitungen sind aus Bleirohr [1].

Wenn die 25 Wasserhähne einer Baracke alle gleichzeitig aufgedreht werden, sind die 500 Liter aus dem Zwischentank innerhalb weniger Minuten verbraucht. Dann muss Frischwasser aus dem Wasserturm eingespeist werden, oder es müssen Pumpen das Wasser aus den Zisternen liefern. Ein weiteres Problem ist die Anzahl der Waschmöglichkeiten insgesamt. Für ca. 2 000 Männer stehen maximal 250 Waschstellen zur Verfügung. Das führt schnell zu langen Wartezeiten, wenn es denn überhaupt genügend Wasser gibt [2]. Einige holen sich schon abends Wasser in Eimern und stellen sie in ihre Zimmerchen, damit sie morgens nicht in Verlegenheit kommen [3]. Ein Inspektionsbericht von 1917 legt nahe, dass zu dieser Zeit nur noch 6 Waschbaracken mit 150 Waschstellen genutzt werden können oder dürfen [4], aber dies ist möglicherweise auch eine ungenaue Beobachtung, da in einem späteren Bericht wider 10 Waschbaracken genannt werden.

Duschen

Planzeichnung der Duschbaracke

Rechts vom Lagertor direkt hinter dem Stacheldraht befindet sich die Duschbaracke mit den Abmessungen 17,70 m x 4,15 m. Sie hat einen Zementboden mit Fußbodenablauf. Das Gebäude ist durch eine Zwischenwand in zwei Räume im Verhältnis 4 zu 1 geteilt. Der kleinere Teil dient als Umkleideraum.

Im größeren Teil sind unter der Dachkonstruktion drei Eisenrohre mit je 10 Duschköpfen – also insgesamt 30 – montiert. Für jeden Strang existiert ein Absperrventil. Neben dem nördlichen Giebel sind auf einem Holzgerüst zwei Tanks mit zusammen etwa 1 000 Litern Fassungsvermögen installiert, die mit den Wasserleitungen im Inneren verbunden sind. Die Tanks erhalten ihr Wasser über eine Motorpumpe aus einem Brunnen, der etwa 20 m außerhalb des Lagerzaunes auf der anderen Seite der Zugangsstraße des Lagers liegt. Der Fußbodenablauf ist direkt mit der Abwasserleitung der Latrinen und des Stalls verbunden. Leider fehlt ein Siphon und daher stickt es gelegentlich [5]. In zwei Inspektionsberichten [6] wird berichtet, dass es warmes Wasser gäbe, es gibt aber keine Hinwei-se wie die Erwärmung erfolgen soll.

Baden im Meer

Es wird davon gesprochen, dass jeder Internierte Anspruch auf eine Dusche pro Woche hätte. Dies ist bei dieser Anlage aber wohl kaum möglich. Es sollen 200 Duschen pro Tag möglich sein [7], wobei unklar ist worauf sich die Zahl 200 bezieht: Die Zahl der Personen oder die Zahl der Duschvorgänge mit je 30 Duschköpfen. Auf jeden Fall fehlt häufig das erforderliche Wasser. Und so finden sich in den Quellen Hinweise wie „in Zeiten der Dürre ist ihr Gebrauch auf Samstage jede Woche, von 13:00 Uhr bis 17:30 Uhr begrenzt“ [8], aber auch, dass zu wenig Interesse am Duschen besteht und es sich nicht lohnt, die Öfen anzuheizen [9]. Es wird daher empfohlen statt zu duschen im Meer zu baden. Solche kollektiven Bäder ohne Teilnahmezwang sind geregelt, können aber auch bei geeignetem Wetter nicht immer stattfinden, da das Boot, das die Schwimmer überwachen soll nicht zur Verfügung steht, sondern vom Leutnant der Wache beschlagnahmt und zum Fischen benutzt [10] wird.

Wäschewaschen und -trocknen

Wäschewaschen

Neben der Duschbaracke stehen direkt am Zaun zwei Waschhallen. Sie haben eine Länge von 17,65 m und eine Breite von 4 m. Sie verfügen über einen Zementfußboden in den eine Rinne zur Abführung des Schmutzwassers in die Kanalisation eingelassen ist [11].

Anzeige aus der INSEL WOCHE

In der Mitte der Waschhallen liegen auf einem Metallgerüst eine Holzplatte und darauf eine flache verzinkte Stahlwanne. Eine Zapfstelle mit zwei Wasserhähnen außerhalb der Baracken liefert das Wasser. Das Wasser wird mit einer Pumpe von einem Brunnen, der im Sportgelände liegt gefördert.

Neben den beiden Waschhallen steht eine dritte Halle, die zum Trocknen der Wäsche benutzt wird. Aber zum Wäschetrocknen werden auch alle anderen nur denkbaren Stellen genutzt – einschließlich des Stacheldrahtzauns. Wer aber keine Lust zum Wäschewaschen hat und über das nötige Geld verfügt, kann auch waschen lassen – sowohl bei geschäftstüchtigen Kameraden [12], als auch außerhalb des Lagers [13].


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